Hallo Uli,
nach Foissner & Wölfl (1994) gibt es mehrere Stentor Arten, die Zoochlorellen tragen und eine solche farbige Granula besitzen können:
S. arauncanus,
S. tartari,
S. amethystinus und
S. fuliginosus. Wichtig wäre zu wissen, wie genau der Zellkern aussieht. In Deinen Abbildungen sind mehrere kugelige, bis ovoide Zellkerne zu erahnen. Man kann in den Bildern jedoch nicht konkret zwischen Nahrungsvakuolen oder Zellkernen entscheiden. Hier wären ausnahmsweise Abbildungen des Zellinneren von Vorteil. S. arauncanus würde ich ausschließen wollen, da er einen vermiformen bid nodularen, also länglichen Zellkern besitzt und seine Granula als blaugrün beschrieben ist. Die übrigen Arten werden nach Foissner & Wölfl (1994) anhand der Farbe der Granula und der Anzahl der Zellkerne unterschieden. Farbe der Individuen oder Anzahl der Zellkerne ist leider kein sicheres Kriterium:
S. tartari besitzt 2, selten 3 oviode Zellkerne, die Granula wird als purpurrot beschrieben
S. amethystinus soll 1, seltener bis zu 5 Zellkerne besitzen. Populationen mit mehreren Zellkernen hatte ich persönlich schon beobachtet und halte dies bis heute für ebenso wahrscheinlich.
S. fuliginosus soll ebenfalls 2-5 Zellkerne besitzen, die Granula wird ebenfalls als purpurn, bräunlich oder gar rot-orange beschrieben.
S. amethystinus ist ziemlich wahrscheinlich.
Die beschriebenen Farben der kortikalen Granula variieren stark zwischen Violett, Purpur, Purpurrot und Braun. Die Farbwiedergabe der Kamera sollte man mit dem visuellen Eindruck vergleichen. Die genannten drei Arten scheinen farblich zu variieren. Die Granula von
S. amethystinus kann nach eigenen Beobachtungen sogar schwarz erscheinen. Dies habe ich auch schon bei extrem dunklen Exemplaren von S. coeruleus beobachtet. Der Farbeindruck hängt offenbar auch von der verwendeten Vergrößerung und somit vom Beobachter ab. Die Zellkerne können am besten mit einem Fluorochrom spezifisch von den Nahrungsvakuolen getrennt werden, oder man hat gute, hochaufgelöste Aufnahmen, in denen die Zellkerne gut zu erkennen sind. Was die konkrete Determinierung und die Merkmale angeht, anhand derer man die Arten unterscheiden kann, ist meiner Meinung nach auch bei dieser Gattung noch mit einer Revision zu rechnen, bei der man sicher eine breit angelegte Felduntersuchung und genetische Untersuchungen unternehmen muss.
Viele Grüße
Thilo
Literatur:
- Foissner, W. & Wölfl, S., 1994. Revision of the genus Stentor Oken (Protozoa, Ciliophora) and description of S.araucanus nov. spec. from South American lakes. Journal of Plankton Research Vol.l6 no.3 pp.255-289. 1994