Dexiotricha sp. (Arbeitstitel)
Verfasst: 7. April 2021, 18:43
Liebe Tümpler,
die Beschreibungen der Gattung Dexiotricha sind in der Literatur noch ein wenig wuschig. Die Arten sind schwer zu bestimmen. Da ich die Genehmigung des Eigentümers eines Waldstückes noch benötigte, konnte ich systematische Proben in zwei neuen Tümpeln erst jetzt beginnen. Dabei entwickelte sich in der Kultur von Paramecium putrinum einige Begleiter, darunter Calyptotricha languinosa und eine weitere Art, mit deren Bestimmung ich meine liebe Not hatte. Ich habe diese Art lichtmikroskopisch immer wieder in meinen Proben gesehen, war mir über die genaue Art jedoch über Jahre hinweg im Unklaren.
Es gibt einige neuere Arbeiten zu Dexiotricha, die nahe legen, dass Dexiotricha Arten kaum sicher zu unterscheiden sind. Vielmehr besteht sogar die Gefahr eine Fehlbestimmung als Dexiotricha granulosa vorzunehmen, welche eine ähnlich dichte Granula im Korpus zeigt. Für den Anfänger besteht hier lichtmikroskopisch ebenfalls Verwechslungsgefahr mit ähnlichen Colpidium Arten. Der Namenszusatz "colpidiopsis" weist nicht auf die Gattung Colpidium hin, denn Dexiotricha bildet eine eigene Gattung und sieht im Detail ganz anders aus. Als Anfänger weiß ich zu berichten, dass man mit einem einfachen morphologischen Vergleich meist nicht weit kommt und auf viele weitere Details achten muss. Also musste eine neue Versilberungsmethode probiert werden: Die nasse Silberimprägnierung. Qu et al. (2019) liefern glücklicherweise einen Artenschlüssel in ihrer neuen Arbeit, der sich jedoch erst mit der Versilberung erschließt. Demnach sind heute 8 Arten der Gattung ausreichend gut beschrieben.
Dexiotricha colpidiopsis (Kahl, 1926) wurde erst 2019 wieder beschrieben. Kahl selbst hatte sie noch als Loxocephalus colpidiopsis bezeichnet. Hier in dem Sumpf kann sie nun auch zahlreich nachgewiesen werden. Das Beispiel zeigt wieder einmal, welches Potential in den alten Arbeiten von Alfred Kahl noch steckt. Die frohe Botschaft für jeden Tümpler: Auch Kahl war ein Amateur. Es dauerte Jahre, in denen ich die Art hin und wieder fand, bis ich nun bei der Bestimmung sicher bin. Die kürzlich erschienene Wiederbeschreibung lieferte letzte Indizien.
Ich habe die Methode von AUGUSTIN, FOISSNER & ADAM (1984) für die hier gezeigte Silberimprägnierung abgewandelt. Die hier beschriebene nasse Versilberung ist schnell anzuwenden und zeigt, dass man bei der Erfindung neuer Versilberungsmethoden durchaus experimentell unterwegs sein kann. Die Fotografien wurden unmittelbar nach der Versilberung unter Deckglas mit einer Wasserimmersion gewonnen. Die Fotosession inclusive Vergleichsaufnahmen einer Colpidium Art für einen A-B Vergleich ergab 485 Fotos, von denen ich hier nur einige ausgewählte Abbildungen zeige. Ob die Methode Dauerpräparate ergibt, wie bei der "ordentlichen" Protargolmethode, muss sich noch zeigen. Vier Präparate, die nach Versilberung aus der Versilberung entnommen und mit Glyzerin-Eiweiß auf einem Objektträger angeklebt wurden, liegen eben noch zum Trocknen über Nacht auf dem Tisch, die Experimente vom Montag, von denen die Abbildungen gewonnen wurden liegen noch in der originalen wässrigen Lösung mit Nagellack umrandet zum Vergleich vor.
Das verwendete Objektiv ist ein LCI Plan-Neofluar 63x/1,3 in Wasserimmersion (Objektiv und Kondensor) sowohl für die schiefe Beleuchtung und auch die Versilberung.
Literatur: Zhishuai Qu, et al., 2019. Acta Protozool. 2019 May 24; 57(2): 95–106.
PM: Parorale Membran
PK: Postorale Kinetiden
Ma: Macronucleus
Mi: Micronucleus
CC: einzelne(!) Caudalcilie
Ex: Extrusome
Dank an Michael "Pelagodileptus" für die Mithilfe.
Viele Grüße
Thilo
Abb.: Dexiotricha colpidiopsis, Lebendbeobachtung; die zahlreiche Granula in den Individuen kann lichtmikroskopisch leicht zur Verwechslung mit D. granulosa führen. Das leicht nach vorne geneigte Köpfchen kann gerne auch mit Colpidium Arten verwechselt werden. Eine entsprechende Zeichnung bei Kahl, der ein Colpidium campylum mit einem "Kamm" zeigt (vgl. Kahl, 1931, S. 331, Abb. 19), ähnlich meiner Abbildung links, kann diese Verwirrung bestärken. Man achte auf den Wimpernkranz der transversen Cilien (TC, drei Pfeile). Lichtmikroskopisch relevant ist wohl die entstehende Lücke zwischen den oberen vier Cilienreihen und den darunter folgenden. Ebenfalls zeigt die Art nicht einfach zu erkennende Extrusome, die auch bei QU et al. (2019) beschrieben wurden.
Abb.: Erst die Versilberung zeigt bestimmungsrelevante Details, wie die drei postoralen Cilienreihen (PK). Links: seitliche Ansicht mit dem Mundfeld. Die Caudalcilie ist ebenfalls in der linken Abbildung zu erkennen. Rechts. Halb dorsale Ansicht der Bewimperung. Einige relevante Details stimmen mit den Abbildungen bei Qu et al. (2019) überein. Die Abbildungen zeigen ein leicht gequetschtes Exemplar.
die Beschreibungen der Gattung Dexiotricha sind in der Literatur noch ein wenig wuschig. Die Arten sind schwer zu bestimmen. Da ich die Genehmigung des Eigentümers eines Waldstückes noch benötigte, konnte ich systematische Proben in zwei neuen Tümpeln erst jetzt beginnen. Dabei entwickelte sich in der Kultur von Paramecium putrinum einige Begleiter, darunter Calyptotricha languinosa und eine weitere Art, mit deren Bestimmung ich meine liebe Not hatte. Ich habe diese Art lichtmikroskopisch immer wieder in meinen Proben gesehen, war mir über die genaue Art jedoch über Jahre hinweg im Unklaren.
Es gibt einige neuere Arbeiten zu Dexiotricha, die nahe legen, dass Dexiotricha Arten kaum sicher zu unterscheiden sind. Vielmehr besteht sogar die Gefahr eine Fehlbestimmung als Dexiotricha granulosa vorzunehmen, welche eine ähnlich dichte Granula im Korpus zeigt. Für den Anfänger besteht hier lichtmikroskopisch ebenfalls Verwechslungsgefahr mit ähnlichen Colpidium Arten. Der Namenszusatz "colpidiopsis" weist nicht auf die Gattung Colpidium hin, denn Dexiotricha bildet eine eigene Gattung und sieht im Detail ganz anders aus. Als Anfänger weiß ich zu berichten, dass man mit einem einfachen morphologischen Vergleich meist nicht weit kommt und auf viele weitere Details achten muss. Also musste eine neue Versilberungsmethode probiert werden: Die nasse Silberimprägnierung. Qu et al. (2019) liefern glücklicherweise einen Artenschlüssel in ihrer neuen Arbeit, der sich jedoch erst mit der Versilberung erschließt. Demnach sind heute 8 Arten der Gattung ausreichend gut beschrieben.
Dexiotricha colpidiopsis (Kahl, 1926) wurde erst 2019 wieder beschrieben. Kahl selbst hatte sie noch als Loxocephalus colpidiopsis bezeichnet. Hier in dem Sumpf kann sie nun auch zahlreich nachgewiesen werden. Das Beispiel zeigt wieder einmal, welches Potential in den alten Arbeiten von Alfred Kahl noch steckt. Die frohe Botschaft für jeden Tümpler: Auch Kahl war ein Amateur. Es dauerte Jahre, in denen ich die Art hin und wieder fand, bis ich nun bei der Bestimmung sicher bin. Die kürzlich erschienene Wiederbeschreibung lieferte letzte Indizien.
Ich habe die Methode von AUGUSTIN, FOISSNER & ADAM (1984) für die hier gezeigte Silberimprägnierung abgewandelt. Die hier beschriebene nasse Versilberung ist schnell anzuwenden und zeigt, dass man bei der Erfindung neuer Versilberungsmethoden durchaus experimentell unterwegs sein kann. Die Fotografien wurden unmittelbar nach der Versilberung unter Deckglas mit einer Wasserimmersion gewonnen. Die Fotosession inclusive Vergleichsaufnahmen einer Colpidium Art für einen A-B Vergleich ergab 485 Fotos, von denen ich hier nur einige ausgewählte Abbildungen zeige. Ob die Methode Dauerpräparate ergibt, wie bei der "ordentlichen" Protargolmethode, muss sich noch zeigen. Vier Präparate, die nach Versilberung aus der Versilberung entnommen und mit Glyzerin-Eiweiß auf einem Objektträger angeklebt wurden, liegen eben noch zum Trocknen über Nacht auf dem Tisch, die Experimente vom Montag, von denen die Abbildungen gewonnen wurden liegen noch in der originalen wässrigen Lösung mit Nagellack umrandet zum Vergleich vor.
Das verwendete Objektiv ist ein LCI Plan-Neofluar 63x/1,3 in Wasserimmersion (Objektiv und Kondensor) sowohl für die schiefe Beleuchtung und auch die Versilberung.
Literatur: Zhishuai Qu, et al., 2019. Acta Protozool. 2019 May 24; 57(2): 95–106.
PM: Parorale Membran
PK: Postorale Kinetiden
Ma: Macronucleus
Mi: Micronucleus
CC: einzelne(!) Caudalcilie
Ex: Extrusome
Dank an Michael "Pelagodileptus" für die Mithilfe.
Viele Grüße
Thilo
Abb.: Dexiotricha colpidiopsis, Lebendbeobachtung; die zahlreiche Granula in den Individuen kann lichtmikroskopisch leicht zur Verwechslung mit D. granulosa führen. Das leicht nach vorne geneigte Köpfchen kann gerne auch mit Colpidium Arten verwechselt werden. Eine entsprechende Zeichnung bei Kahl, der ein Colpidium campylum mit einem "Kamm" zeigt (vgl. Kahl, 1931, S. 331, Abb. 19), ähnlich meiner Abbildung links, kann diese Verwirrung bestärken. Man achte auf den Wimpernkranz der transversen Cilien (TC, drei Pfeile). Lichtmikroskopisch relevant ist wohl die entstehende Lücke zwischen den oberen vier Cilienreihen und den darunter folgenden. Ebenfalls zeigt die Art nicht einfach zu erkennende Extrusome, die auch bei QU et al. (2019) beschrieben wurden.
Abb.: Erst die Versilberung zeigt bestimmungsrelevante Details, wie die drei postoralen Cilienreihen (PK). Links: seitliche Ansicht mit dem Mundfeld. Die Caudalcilie ist ebenfalls in der linken Abbildung zu erkennen. Rechts. Halb dorsale Ansicht der Bewimperung. Einige relevante Details stimmen mit den Abbildungen bei Qu et al. (2019) überein. Die Abbildungen zeigen ein leicht gequetschtes Exemplar.