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Pseudomonilicaryon sp.? - aus dem Rhein (Aug' 2018)

Verfasst: 18. August 2018, 00:27
von paramecium
Hallo zusammen,

Der Rhein bei Köln führt derzeit nur noch sehr wenig Wasser. Die Ciliaten, die man heuer findet, erscheinen dafür umso interessanter.

Ein einer Wasserprobe abgekratzten Algenaufwuchses von einem Stein der Aufschüttung entwickelten sich nach einem Tag massenhaft Individuen der Gattung Monilicaryon. Dileptus sp. schließe ich eventuell nun doch aus.

Zunächst war ich mit der Bestimmung bei Dileptus anser gelandet. Dann irritierte mich die Diskrepanz zwischen Foissner (1995) und Ehrenberg (1838). Während bei Foissner D. margaritifer mit vielen kleinen Macronuclei beschrieben ist, zeichnet Ehrenberg (1838) die beiden Arten Dileptus (Amphileptus) anser und D. margaritifer eventuell gerade umgekehrt. Selten sehe ich in solch alte Literatur, doch fand ich eine gescannte Ausgabe von Ehrenberg bei archive.org. Ehrenberg (1838) zeichnet D. anser eventuell mit vielen kleinen Macronuclei, während D. anser hier eventuell mit einer Kette ovaler Macronuclei dargestellt ist.

Zu unterscheiden von D. anser wäre diese Art auch aufgrund der hohen Anzahl von Macronuclei, die hier 34 beträgt. Bislang beschrieben sind für D. anser maximal 20 Macronuclei (Wirnsberger, Foissner & Adam, 1984). Ferner sind in der Fluoreszenzfärbung mit Hoechst 33342 bis zu 15 Micronuclei zu erkennen. Bislang fand ich in der Literatur keinerlei Hinweise für Micronuclei bei diesen Arten.

Von einem befreundeten Mikroskopiker erhielt ich noch den Tipp Monilicaryon (Danke, Ralf). Diese schließe ich eventuell nun auch aus, da die Anzahl der Macronuclei nicht passt. Zwar verknoten diese sich auch gerne, was ich ebenfalls beobachtete, doch hat Monilicaryon weiterhin einen zu kurzen Hals. Beruhigend zu lesen, dass ich nicht der erste bin, der Monilicaryon mit D. anser verwechselt (M. Alzamora, 1929).

Aufgrund er bei Foissner beschriebenen ökologischen Daten tendiere ich nun eher zu Pseudomonilicaryon (vgl. Denisia 31, Seite ).

Von den bei Vdacny & Foissner (Denisia 31, 2012) dokumentierten Arten kommen nun doch am ehesten Pseudomonilicaryon thononense (Ma: ≤34, Mi: ≤10) sowie die Arten P. angustistoma (Ma: ≤44; Mi ≤18), Pseudomonilicaryon japonicum (Ma: ≤35; Mi ≤27) und Pseudomonilicaryon kahli (Ma: ≤35; Mi ≤?) in Frage.

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Abb. 1: Der Rhein nahe dem Sürther Bootshaus: Vor einem Monat war diese Region noch eine geschlossene Wasserfläche innerhalb der Steinumrandung.

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Abb. 2: Der Rhein nahe dem Sürther Bootshaus: Spuren der Wasservögel im trockenen Schlick.

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Abb. 3: Monilicaryon spec. Objektiv 10x.

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Abb. 4: Monilicaryon spec. Objektiv 40x, Phasenkontrast.

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Abb. 5: Monilicaryon spec. Objektiv 20x, Färbung mit DiOC3(6) und Hoechst 33342. In der Totalen sind 34 Macronuclei und 15 Micronuclei zu erkennen.

Re: Dileptus sp. - aus dem Rhein (Aug' 2018)

Verfasst: 18. August 2018, 19:36
von Monsti
Hallo Thilo,

leider sehe ich kein einziges Bild. Allerdings habe ich momentan ebenfalls Probleme mit dem Einstellen von Fotos. Bedauerlicherweise habe ich keine Ahnung, woran es liegt.

Viele Grüße
Angie

Pseudomonilicaryon sp.? - aus dem Rhein (Aug' 2018)

Verfasst: 18. August 2018, 23:39
von paramecium
Danke, ist behoben. Bilder sollten nun sichtbar sein.

Edit, ich habe obige Bestimmung überarbeitet, da ich nach Querlesen der Denisia 31 nun bei Pseudomonilicaryon sp. gelandet bin.

Re: Pseudomonilicaryon sp.? - aus dem Rhein (Aug' 2018)

Verfasst: 26. August 2018, 08:20
von Michael
Hallo Thilo,

vielen Dank für Deinen Beitrag - die Unsicherheiten bei der Bestimmung kann ich leider gut (bei Gastrotrichen) nachvollziehen. Damit müssen wir wohl bis zu einem gewissen Grad leben.
Ich bin sehr beeindruckt von Deinen klaren Kernfärbungen!

Bis bald auf dem Dörnberg

Michael