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Lacrymaria vertens (?)

Verfasst: 23. Oktober 2016, 19:05
von paramecium
Hallo zusammen,

vielleicht könnt Ihr mir den Fund bestätigen oder anderweitige Hinweise geben.

Aktuelles Untersuchungsgebiet ist das Hellenmaar bei Metternich (Erlaubnis für Begehung des Naturschutzgebiet liegt vor). Aufgrund der lang anhaltenden Dürre der letzten Monate, ist dieses Maar (=Moor) mindestens seit September bis weit in den Oktober vollständig ausgetrocknet gewesen. Ein geeigneter Zeitpunkt zu sehen, wie die Besiedelung des trockenen Sumpfgebiets aussehen würde, wenn der Boden wieder Wasser erhält. Es wurden am 9./16. Oktober kleine Bodenproben mit Falllaub entnommen und in kleinen Miniaquarien gehalten. Diese wurden mit Volvic "wiederbelebt" und stehen auf der Fensterbank.

Nach zwei Wochen Standzeit des Experiments vom 9. Oktober ist mir diese Art auf zwei Objektträgern über den Weg geschwommen. Die Phako-Aufnahme zeigt das Exemplar frei schwimmend. Die weiteren Aufnahmen sind später entstanden und zeigen dasselbe Exemplar gequetscht. Daher erscheint es in den Hellfeld-Abbildungen verkürzt (70 µm). Das Individuum hielt sich auch nach längerer Verweildauer eher im freien Wasser auf, nicht zwischen dem Detritus. Der schnelle Schwimmer ist kaum zu bremsen, jedoch wenig kontraktil oder formvariabel. Die Phako-Aufnahmen waren nur mit der kurzen Belichtung zu gewinnen, daher unterbelichtet (korrigiert für die Abbildung).

Das Individuum ist frei schwimmend ca. 100 µm lang. Das Kopfende ist leicht kontraktil und hat einen etwas dickeren Halsansatz bzw. eine ringförmige Einschnürung (zweite Aufnahme von links, oben). Das Hinterende ist nicht spitz zulaufend. Ferner erkennt man feine, diagonale Streifung, die jedoch und nur in bestimmten Einstellungen erscheint (vgl. 2. Aufnahme oben links und Phako). Dies sind sehr wahrscheinlich im Cytoplasma liegende Extrusome (Phako, unten, mitte), welche im Hellfeld nur mit geringem Kontrast erscheinen. Die Cuticula erscheint in leicht defokussierter Lage nicht sehr auffällig diagonal gerippt (oben, 3. von links), Diese Strukturen könnten perlschnurartig angeordnete Mucocysten oder andere saure Organellen sein, worauf die unauffällige Rotfärbung des Acridinorange unter UV Licht hinweist, können jedoch ebenfalls mit den Extrusomen oder zufälliger Lage der Cilien verwechselt werden. Es gibt nur eine kontraktile Vakuole (Abb. links unten). Wie man auf den Fluoreszenz-Aufnahmen erkennen kann, besitzt das Individuum einen in der hinteren Hälfte liegenden Macronucleus, welcher in ähnlicher Weise wie bei Foissner gezeigt eine "blasige" Struktur aufweist (Band IV, S. 171). Der Micronucleus ist nicht sehr deutlich abgesetzt.

Bis auf die Gattung Lacrymaria habe ich ihn eingrenzen können. Vermutlich handelt es sich um Lacrymaria vertens.

Legende:
Ma: Macronucleus
Mi: Micronucleus
Ph: Phagosom (Nahrungsvakuole)
cV: kontraktile Vakuole
Ex: Extrusome

Bild
Objektiv: Plan-Neofluar 40x/0.75 Ph2. Belichtungszeiten lagen bei 1/1000 s, ISO 100 für das Hellfeld und Phako. Die Fluoreszenzaufnahmen wurden mit automatischer ISO Einstellung und 1/30 s gewonnen. Es wurden Hoechst 33342 (Anregung: 385 nm) und Acridinorange (Anregung: 470 nm) für die DNA-Färbung genutzt.

Wie ich an die Ciliaten heran gehe:

Meist durchmustere ich im Phako bei 10x oder 20x, in dem ich den Objektträger abscanne, da viele Ciliaten und auch Amöben im Hellfeld unauffällig erscheinen.

Die hier gezeigten Aufnahmen sind im Hellfeld (schiefe Beleuchtung), Phasenkontrast und Fluoreszenz gewonnen worden. Zum Einsatz kommt eine Canon EOS 60D im RAW Modus. Schiefe Beleuchtung wird durch leichtes Herausdrehen der Hellfeldblende gegen die Ph1 Blende eingestellt. Der brauchbare Kontrast wird im Live-View der Kamera mit 5x Vergrößerung am Monitor kontrolliert. Den Rest besorgt eine eigene Software.

Das Mikroskop wird nicht mehr mit der gelieferten Halogenlampe betrieben, sondern mit einer ultra-hellen Tageslicht LED von Barthelme (Farbtemperatur 7000K, 4W, Öffnungswinkel: 10°). Visuelle Beobachtungen sind mit dieser LED nur mit einem Zeiss Neutralfilter 0,06 möglich. Die LED spart das Blitzen, was an dem modernen Mikroskop so nicht möglich ist.