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Paramecium bursaria - Spiel der Vakuolen

Verfasst: 28. April 2016, 18:42
von Ole
Liebes Forum,

ich möchte hier ein oft gezeigtes Objekt erneut vorstellen, das aber immer wieder schöne Lebendbeobachtungen ermöglicht – das grüne Pantoffeltier Paramecium bursaria. Bei meinem Exemplar aus einem Moortümpel konnte ich das eindrucksvolle Spiel der beiden kontraktilen Vakuolen gut erkennen und dokumentieren. Die ersten 3 Aufnahmen habe ich mit dem Objektiv 40:1 gemacht, die zweite Reihe sind dann Detailaufnahmen mit der Ölimmersion 100:1. Alle Aufnahmen im Phasenkontrast, geblitzt.

Neben den auffallenden kontraktilen Vakuolen (kV), die von radiär angeordneten Sammelkanälen (Sk) gespeist werden, erkennt man das Cytostom (Cys), die dunkleren, hyalin wirkenden Kerne (Makronukleus Man, Mikronukleus Min) und den ausgeprägten Saum von Extrusomen (Ext). Die Extrusomen sind spindelförmig und stehen dicht an dicht im Cortex der Zelle.

Unklar ist mir, ob die grünen Körper im Cytoplasma nackte Chloroplasten aus gefressenen Algen sind oder ob es sich um ganze Zellen handelt, die als Algensymbionten den Ciliaten mit den Produkten ihrer Photosynthese versorgen. Weiß hier jemand genaueres über die cytologischen Details?

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Viele Grüße

Ole

Re: Paramecium bursaria - Spiel der Vakuolen

Verfasst: 28. April 2016, 19:49
von MartinKreutz
Hallo Ole,

wieder ein beeindruckender Beitrag von Dir! Leider komme ich hier nicht mehr hinterher, alles anzusehen und selbst noch was einzustellen. Ja, das ist Paramecium bursaria und die Algen sind die Zoochlorellen, keine ingestierte Nahrung. Das zusammenleben ist komplex und Gegenstand sehr vieler Studien. Seit Einzug der Molekulargenetik sind da sehr viele neue Erkenntnisse hinzu gekommen. Die Algen bei Paramecium sind vom Chlorella Typ und können auch alleine überleben. Hält man P. bursaria im dunkeln werden die Algen phagocytiert. Die dann farblosen Exemplare besitzen aber die Fähigkeit bei Licht wieder Symbionten anzusiedeln. Die Algen werden nicht verdaut, weil sie die Nahrungsvakuole "umprogrammieren". Wie der Mechanismus ist und ob das erforscht ist, weiß ich nicht. Ein anderes interessantes Thema ist die Bestandskontrolle. Wie regelt Paramecium, dass es nicht vor lauter Algen platzt, denn die vermehren sich ja auch fleißig. Wann wurden Entwicklungsgeschichtlich die ersten Algen als Symbionten aufgenommen. Vor 1 Mio. Jahren, 10 Mio. Jahren oder noch weiter in der Vergangenheit? Da gibt es bestimmt schon ein paar greifbare Untersuchungsergebnisse, die ich aber nicht kenne.

Martin

Re: Paramecium bursaria - Spiel der Vakuolen

Verfasst: 29. April 2016, 06:42
von Ole
Hallo Martin,

schönen Dank für die Zusatzinformation. Man erkennt beim genaueren Hinsehen und hoher Vergrößerung auch, dass die Algensymbionten jeweils mehrere Chloroplasten zu tragen scheinen. Ich kenne mich mit Algen vom Chlorella-Typ nicht wirklich aus, aber ich interpretiere meine Beobachtung dann entsprechend diesem Befund.

Viele Grüße

Ole