Kleine Monster und ihre Beute
Verfasst: 20. Februar 2023, 21:32
Liebe Tümpler,
nachdem ich meine Kulturen von Blepharisma americanum vor einer Weile wieder beleben konnte, gelangen mir an diesem Wochenende einige sehr nette Aufnahmen von Zellteilungen und der Verdauung ihrer Lieblingsbeute, Colpidium striatum.
Aufgrund der enormen Größe dieser Blepharisma Art wurden die hier gezeigten Aufnahmen mit einem LCI Plan-Apochromat 25x/0,8 gewonnen. Lediglich die Detailaufnahme der Toxicysten wurde mit einem C-Apochromat 40x/1,2 W in hoher Auflösung aufgenommen. Das dort gezeigte Individuum war eine kleine Teilungsform, machte während der Aufnahme einen "Buckel" und schwamm um die Kurve, weswegen es trotz der hohen Vergrößerung verhältnismäßig klein erscheint. Die Größe der kleinen "Monster" beträgt um die 400 µm, also knapp ein halber Millimeter. Die längeren schlanken Formen sind meist Teilungsformen. Daneben gibt es bei dieser Art Hungerformen, Kannibalismus, deutlich größere Formen, aber auch Zwergformen, die meist ein Absterben der Kultur ankündigen und die Notwendigkeit die Kultur sofort umzusetzen.
Viel Spaß beim Anschauen!
Thilo
Bild 1: Blepharisma americanum schwimmt neben seiner Lieblingsbeute.
Bild 2: Blepharisma americanum mit einem gefressenen Colpidium schwimmt neben einem weiteren Exemplar her. Offenbar erbeuten Sie die Colpidien mit einem großen Schluck Wasser. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war das Colpidium von einer übergroßen Nahrungsvakuole umschlossen und schwamm noch in dieser umher, bis die Verdauung endlich einsetze und die Zelle auflöste.
Bild 3: Blick auf die pelliculären, sauren Organellen (Toxicysten) welche die Toxine zur Feindabwehr enthalten. Lichtmikroskopisch erscheinen diese Organellen dunkelviolett und geben den verschiedenen Blepharisma Arten ihre typische violette Farbe. Die verschiedenen bisher isolierten Toxine werden nach der Gattung Blepharismine genannt und führen beim Kontakt mit dem ausgestoßenen Toxinen rasch zum Tod anderer Ciliaten. Auch in der Region des Mundfelds sind diese Toxicysten angeordnet. Das lebende, erbeutete Colpidium in der Nahrungsvakuole lässt jedoch Zweifel offen, dass diese Toxine immer zum sofortigen Tod oder der Lähmung anderer Ciliaten führen. Colpidium ist selbst mit ähnlichen Organellen bewaffnet. Eventuell ist dies ein Grund, weshalb sie mit einem ordentlichen Schluck Wasser ingestiert werden. Der Krieg und die Abwehrmechanismen auf diesen Skalen sind unerbittlich und haben viele Facetten.
Bild 4: Eine Zellteilung im Hellfeld. Die undulierende Membran der beiden Tochterzellen ist hier sehr gut zu erkennen.
Bild 5: Die gleichen Individuen mit Färbung des Acridinorange und Blauanregung aufgenommen. Acridinorange färbt saure, sub-pelliculäre Toxicysten an. Ähnliche Reaktionen erhält man bei Spirostomum Arten, einer nahe verwandten Gattung der Heterotrichen. Die Färbung basiert auf dem Effekt der Ionenfalle und kann je nach Konzentration des Acridinorange zwischen grün und kräftigem Rot erscheinen.
Bild 6: Färbung mit Hoechst 33342 zeigt den moniliformen Zellkern und die dünne Kernmembran, die die einzelnen Kernfragmente umschließt.
nachdem ich meine Kulturen von Blepharisma americanum vor einer Weile wieder beleben konnte, gelangen mir an diesem Wochenende einige sehr nette Aufnahmen von Zellteilungen und der Verdauung ihrer Lieblingsbeute, Colpidium striatum.
Aufgrund der enormen Größe dieser Blepharisma Art wurden die hier gezeigten Aufnahmen mit einem LCI Plan-Apochromat 25x/0,8 gewonnen. Lediglich die Detailaufnahme der Toxicysten wurde mit einem C-Apochromat 40x/1,2 W in hoher Auflösung aufgenommen. Das dort gezeigte Individuum war eine kleine Teilungsform, machte während der Aufnahme einen "Buckel" und schwamm um die Kurve, weswegen es trotz der hohen Vergrößerung verhältnismäßig klein erscheint. Die Größe der kleinen "Monster" beträgt um die 400 µm, also knapp ein halber Millimeter. Die längeren schlanken Formen sind meist Teilungsformen. Daneben gibt es bei dieser Art Hungerformen, Kannibalismus, deutlich größere Formen, aber auch Zwergformen, die meist ein Absterben der Kultur ankündigen und die Notwendigkeit die Kultur sofort umzusetzen.
Viel Spaß beim Anschauen!
Thilo
Bild 1: Blepharisma americanum schwimmt neben seiner Lieblingsbeute.
Bild 2: Blepharisma americanum mit einem gefressenen Colpidium schwimmt neben einem weiteren Exemplar her. Offenbar erbeuten Sie die Colpidien mit einem großen Schluck Wasser. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war das Colpidium von einer übergroßen Nahrungsvakuole umschlossen und schwamm noch in dieser umher, bis die Verdauung endlich einsetze und die Zelle auflöste.
Bild 3: Blick auf die pelliculären, sauren Organellen (Toxicysten) welche die Toxine zur Feindabwehr enthalten. Lichtmikroskopisch erscheinen diese Organellen dunkelviolett und geben den verschiedenen Blepharisma Arten ihre typische violette Farbe. Die verschiedenen bisher isolierten Toxine werden nach der Gattung Blepharismine genannt und führen beim Kontakt mit dem ausgestoßenen Toxinen rasch zum Tod anderer Ciliaten. Auch in der Region des Mundfelds sind diese Toxicysten angeordnet. Das lebende, erbeutete Colpidium in der Nahrungsvakuole lässt jedoch Zweifel offen, dass diese Toxine immer zum sofortigen Tod oder der Lähmung anderer Ciliaten führen. Colpidium ist selbst mit ähnlichen Organellen bewaffnet. Eventuell ist dies ein Grund, weshalb sie mit einem ordentlichen Schluck Wasser ingestiert werden. Der Krieg und die Abwehrmechanismen auf diesen Skalen sind unerbittlich und haben viele Facetten.
Bild 4: Eine Zellteilung im Hellfeld. Die undulierende Membran der beiden Tochterzellen ist hier sehr gut zu erkennen.
Bild 5: Die gleichen Individuen mit Färbung des Acridinorange und Blauanregung aufgenommen. Acridinorange färbt saure, sub-pelliculäre Toxicysten an. Ähnliche Reaktionen erhält man bei Spirostomum Arten, einer nahe verwandten Gattung der Heterotrichen. Die Färbung basiert auf dem Effekt der Ionenfalle und kann je nach Konzentration des Acridinorange zwischen grün und kräftigem Rot erscheinen.
Bild 6: Färbung mit Hoechst 33342 zeigt den moniliformen Zellkern und die dünne Kernmembran, die die einzelnen Kernfragmente umschließt.