ich wünsche ich den Teilnehmern ein frohes Weihnachtsfest und Angie gute Besserung!
Aus einer seit 4 Wochen stehenden Probe eines kleinen Moor entnommen habe ich einige Vorticella, die noch der genaueren Bestimmung der Art harren(*). Da das Moor angesichts der weiter anhaltenden Trockenperiode heuer schon zum zweiten Mal trocken liegt, bin ich wohl der einzige, der weihnachtlichen Regen zur weiteren Probenentnahme sehnsüchtig erwartet.
Häufig übersehen bei den Vorticella ist der unscheinbare Micronucleus, welcher mit einem geringeren Kontrast im Hellfeld erscheint und mit den Nahrungsvakuolen zu verwechseln ist. Selbst Foissner und Kahl erwähnen ihn nicht. Erst die Färbung offenbart den tatsächlichen Ort in der Zelle. Hier geschehen durch Doppelfärbung mit den Fluorochromen Hoechst 33342 und Acridinorange. Beobachtung erfolgte unter UV Anregung. Die Phagosome (=Nahrungsvakuolen) erscheinen hierbei kontrastreich rotrange (saurer pH) bis grün (höherer pH) gefärbt, während gefärbte DNA des Macronucleus (Ma) und Micronucleus (Mi) blau gefärbt erscheinen. Ebenfalls gut zu erkennen: Es handelt sich um einen Bakterienfresser. Dies zeigen die winzigen Klümpchen gefärbter Bakterien-DNA (Ba) in einigen Phagosomen. Der Unterschied zu den Phagosomen: Der Micronucleus erscheint homogen und heller gefärbt, während die zu verdauenden Bakterien (eventuell auch einige Parasiten innerhalb des Plasmas oder Aufsitzer entlang des Zellmunds liegend) als winzige, blaue Punkte erscheinen.
Die Fotomontage zeigt verschiedene Exemplare der Vorticella aus der gleichen Probe, welche an Detritus haften.
Falls jemand einen Tipp zur genaueren Artbestimmung hat, wäre ich dankbar für jedweden Hinweis worauf zu achten wäre.
Aktuell gehe ich davon aus, dass die abgebildeten Exemplare einer Art zugehörig sind. Die gemessene Körperlänge verschiedener Exemplare liegt um 55-70 µm. Der untere Basalteil variiert ebenfalls und zeigt eine kaum bis deutlich abgeschnürte Furche bei einer Länge des Basalsegments um 14 µm entlang der Körperachse (vgl. Abb. oben links/rechts, unten links). Die Länge des Stiels beträgt um 130 µm, gelegentlich erscheint er kürzer (unten rechts). Bei "erschrockenen" Exemplaren wird der Stiel nicht vollständig eingerollt, sondern oft nur mit 1-2 Windungen etwa auf halber Länge, darüber und darunter ein Stück gerade (vgl. Abb. unten links). Die Körperform variiert stark, wie das "halb verhungerte" Exemplar oben links zeigt. Jedoch ist die feine Querstreifung mit dem 40x/0,75 Objektiv meist gut erkennbar. Die Querstreifung variiert wie auch bei Kahl für einige Arten beschrieben in der Deutlichkeit über die Zelloberfläche. Der auffällige Macronucleus erscheint gelegentlich "J"-förmig, meist jedoch eher verwunden wie ein verdrehtes "C" (vgl. Abb. mitte links und rechts). Es gibt nach meiner Beobachtung nur eine pulsierende Vakuole im oberen Drittel des Korpus (vgl. Abb. oben rechts). Das Körperverhältnis liegt zwischen 3:1 und 2:1 Länge zu Breite des Konus. Moosformen der Vorticella Arten sind nicht auszuschließen, da die Probe mit sehr niedrigem Wasserstand ca. eine Woche nach erstem Regenfall unter Fallaub entnommen wurde. Aktuell wächst sie auf dem verrottenden Falllaub in der Probe. Eine Versilberung steht noch aus. Von der Größe her kämen einige Arten wie V. gracilis, V. extensa und V. similis in Betracht.
Abbildungen mit Plan-Neofluar 40x/0.75 bzw. N-Achroplan 20x/0.45 (Übersichtsfoto, unten rechts).
Viele Grüße
Thilo

