Parasit: Spharophrya doliolum PENARD 1920

Wimpertiere und Sauginfusorien
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Pelagodileptus
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Parasit: Spharophrya doliolum PENARD 1920

#1 Beitrag von Pelagodileptus » 20. Mai 2020, 14:14

Liebe Tümpelfreunde,

auf einem Aufzuchtdeckglas habe ich folgende Entdeckung gemacht. Im ersten Moment, als ich diese Viecher sah, dachte ich an eine Mondlandekapsel im Anflug, Abb.1. Bei genauerer Betrachtung erinnerten sie mich an Schwärmer von Sauginfusorien, also Parasiten. In der Probe konnten an die 10 Stück, mit dem Gleichen sackförmigen Aussehen gefunden werden, Länge zw. 22 und 30 µm, Abb. 3. Der Körper war mit 3 weit auseinander gestellten Cilienreihen (Ci) umstellt, Abb.4. Das Hinterende des Schwärmers war, wenn ich mich nicht verzählt habe, mit 8 bis 10, ich nenne sie mal Saugnäpfe, nicht gekopfte Tentakeln (Te), wie bei Spharophrya stentoris, umstellt, Abb. 1,2,5. In der Mitte befand sich ein großer, runder Makronucleus (Ma) und ein kleiner Mikronucleus (Mi). Am Rand 1 kontraktile Vakuole (cV), Abb.2.

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Bild 1. Der Schwärmer erinnert sehr an einer "Sojus" Mondlandekapsel...


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Bild 2. Der Parasit hat eine Länge von 28µm; Ma= Makronucleus, Mi= Mikronucleus, Te= dicke Tentakel, cV= Kontraktile Vakuole


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Bild 3. Im Anflug auf das nächste Opfer, Parasiten als Schwärmer getarnt, ...


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Bild 4. Die 3 deutlich weit auseinander stehenden Cilienreihen, sind ein sehr gut erkennbares Bestimmungsmerkmal.


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Bild 5. Im Landeanflug können sehr gut die dicken Tentakeln erkannt werden.



Als ich dann einen Stentor roeseli entdeckt habe Abb. 6, konnte ich an seinem Peristom 5 dieser Parasiten, angeheftet sehen. Der Stentor, hat verzweifelt ein Eindringen zu verhindern und durch „kräftige Bewegungen“ versucht, diese los zu werden. In der Literatur wird der parasitäre Schwärmer in S. roeseli als Spharophrya stentoris zitiert.


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Bild 6. Stentor roeseli versucht verzweifelt die Eindringlinge loszuwerden.


In der Literatur: Suctoria und Urceolariidae (Peritrichia), von Dieter Matthes, Walter Guhl, Gerhard Haider; Gustav Fischer Verlag 1988; pp. 176-177, werden zwei Arten von Parasiten in Stentoren vorgestellt. Da es sich hier um nur zwei Arten von Parasiten handelt, ist die Bestimmung für den Tümpler recht einfach, da sich die beiden Parasiten durch ihr Aussehen, leicht unterscheiden lassen, in der Abb. 110, Seite 176, dargestellt.

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Bild 110. Zeigt das einzige Bild mit den beiden Schwärmern. Abb. a., mit zwei cV und Abb. c-d., mit einer cV und seinen 3 typischen weit auseinander stehenden Cilienringen. cV= Kontraktile Vakuole


Spharophrya stentoris gehört als Parasit zu Stentor roeseli, Parasit mit zwei cV und Spharophrya doliolum zum Stentor niger mit einer cV, was auch zu meinem Fund passt. Nur macht der Parasit keinen Unterschied, ob es sich hier um S. roeseli oder S. niger handelt. Wirt ist gleich Wirt und so habe ich Sph. doliolum massenhaft im Stentor polymorphus gefunden, Abb. 7 und 8.

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Bild 7. Spharophrya doliolum macht auch vorm Stentor polymorphus nicht halt. Hauptsache WIRT! Gut zu erkennen ist auch, dass die Zoochlorellen im Bereich der Parasiten, deutlich abnimmt.


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Bild 8. Im Wirt schnell hintereinander Schwärmerbildung durch äußere Knospung. Oben im Bild: Zwei Schwärmer sind dabei ihre Basis zu verlassen...


Wie soll nun der Fund heißen, wenn es dem Parasiten egal ist, welchen Wirt er gerade bevorzugt. Halten wir uns an das, was uns die Literatur hergibt, dann handelt es sich hier um den Fund: Spharophrya doliolum und nicht Spharophrya stentoris, obwohl die Artbeschreibung „stentoris“ hier besser passen würde.


--> Martin Kreutz hat in diesem Forum https://www.mikroskopie-forum.de/index. ... ic=30793.0 Spharophrya stentoris vorgestellt. Irgendwie sehen die sich sehr ähnlich!

--> Bernd hat auch über parasitische Sauginfusorien in Paramecium berichtet https://www.mikroskopie-forum.de/index. ... ic=33175.0


Gibt es hier schon neuere Erkenntnisse, bin auf eure Meinung und Anregungen gespannt?

Herzliche Grüße,
Michael


Alle Aufnahmen wurden am BX60 mit DICT unter schwersten Bedingungen, zu dicker Wassertropfen, aufgenommen und mit der Canon R festgehalten.
Zuletzt geändert von Pelagodileptus am 23. Mai 2020, 20:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mondlandekapsel Spharophrya doliolum PENARD 1920

#2 Beitrag von paramecium » 20. Mai 2020, 21:28

Hallo Michael,

vielen Dank für diesen sehr interessanten Fund!

Thilo

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