Euplotes daidaleos

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paramecium
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Euplotes daidaleos

#1 Beitrag von paramecium » 14. Februar 2020, 21:43

Liebe Tümpler,

heute möchte ich einen weiteren Hypotrichen vorstellen, der dem einen oder anderen sicherlich schon das eine oder andere Mal vor die Linse geschwommen sein mag. Der "Ciliatenatlas" erwähnt ihn nur am Rande als Verwechslungsmöglichkeit, dabei ist er nicht so selten zu finden. Meiner bisherigen Beobachtung zufolge ist er ein nicht seltener Bewohner ephemerer Gewässern, meist Pfützen, Schlammlöchern aber auch der verschlammten Uferzonen von Teichen (teils mit hoher Fäulnis). Dieser Bursche wurde in einem ephemeren Gewässer bei Hürth (Nähe Köln) gefunden. Ich habe diese Art schon früher in Zusammenhang mit der Fluoreszenz-Doppelfärbung beschrieben. Damals habe ich die Art in einem Weiher nahe dem Dörnberg/Kassel gefunden. Diese spezielle Färbung ist sehr schön reproduzierbar und kann gut zur Determinierung der Euplotes Arten genutzt werden.

Euplotes daidaleos ist eine der größeren Arten der Gattung Euplotes, deren Bestimmung meist recht einfach ist. Euplotes Arten sind anhand ihres charakteristischen Mundfelds und der Anordnung der Cirren gut im Hellfeld zu determinieren. Man achte dabei besonders auf die Anordnung der Buccal-, Transversal- und Caudalcirren.

E. daidaleos hebt sich von anderen Arten ab, da E. daidaleos endosymbiontische Zoochlorellen besitzt. Bei der Beobachtung sollte man darauf achten, dass diese klar abgegrenzt im Korpus verteilt sind und von Phagosomen mit eventuell gefressenen Algen unterschieden werden können (siehe Ausschnittsvergrößerung, in Abb. 1). Die Anzahl der Chlorellen in den Individuen variiert zwischen recht dichtem Besatz und einigen wenigen Zoochlorellen. Besitzen sie nur wenige Zoochlorellen, wird die Art manchmal eventuell nicht sofort als Euplotes daidaleos erkannt, da man die wenigen Zoochlorellen gerne auch mit gefressenen Algen verwechseln kann. E. daidaleos besitzt auf dem Rücken meist 6-8 Rippen mit kleinen Cilien, die nur mit sehr guten Optiken im Hellfeld erkannt werden können. Eher markant erscheinen die ringförmig um diese dünn besetzten Cilienreihen angeordneten Organellen. Diese ringförmig angeordneten Organellen sind eine Komposition aus sauren Vakuolen und Mitochondrien an der Cilienbasis. Die sauren Organellen erscheinen in Fluoreszenz mit Acridinorange gelb bis rötlich gefärbt. Die Mitochondrien erscheinen ungefärbt, können aufgrund des hohen Brechungsindex bei hoher Vergrößerung jedoch gut erkannt werden (siehe hierzu Abbildungen in meinem Artikel in der Zeitschrift Mikroskopie). Euplotes Arten besitzen einen charakteristischen Macronucleus (Ma), der lichtmikroskopisch sehr gut erkennbar ist und wie eine "3" oder hier wie ein "C" geformt ist. Hier ist er sehr schön in der Fluoreszenzfärbung mit Ho342 zu erkennen. Das Chromatin im Macronucleus der Hypotrichen erscheint meist granuliert oder netzförmig bis blasig strukturiert, was hier ebenfalls gut an der gefärbten DNA der Fluoreszenz-Färbung erkennbar ist. Gelegentlich erkennt man beginnende Zellteilung an zwei Teilungsbändern des Ma, die mit der Zeit von den Enden her zur Mitte hin zusammenlaufen. Der Ma dieses Individuums befindet sich jedoch in der Ruhephase und das Chromatin erscheint granuliert. Meist in einer kleinen Enklave des Ma sitzend, ist am vorderen Rand der kleine Micronucleus zu erkennen. Die pulsierende Vakuole liegt randlich im hinteren Drittel des Korpus.

Legende:
AZM: Mundfeld, adorale Membranellenzone
Ma: Macronucleus
Mi: Micronucleus
Ph: Phagosom, Nahrungsvakuole
Chl: Zoochlorelle
cV: Kontraktile Vakuole
dV: Dorsale Vesikel, die dorsalen Wimpern umrandend
TC: Transversalcirren

Aufnahmedaten: Zeiss AxioLab.A1, C-Apochromat 40x/1,2 W korr, Canon EOS 77D.

Literatur
Foissner, W. et al., 1991. Taxonomische und ökologische Revision der Ciliaten des Saprobiensystems, Informationsberichte des Bayer. Landesamts f. Wasserwirtschaft.
Bauer T., 2019. Fluoreszenz-Doppelfärbung mit Hoechst 33342 und Acridinorange zur Bestimmung der Arten von Ciliaten (Phylum: Ciliophora). Mikroskopie. 2019; 1: 2-19.


Abb 1: Hellfeldaufnahme mit einem Wasserimmersionsobjektiv und optimal eingestellter, schiefer Beleuchtung.
Hellfeldaufnahme (schiefe Beleuchtung).
Hellfeldaufnahme (schiefe Beleuchtung).
Euplotes-daidaleos-HF.jpg (250.42 KiB) 424 mal betrachtet

Abb 2: Die Aufnahme in Fluoreszenz zeigt den granuliert strukturierten Macronucleus und den kleinen Micronucleus. Grün gefärbt erscheinen einige mit Bakterien DNA gefüllte Phagosome (=Nahrungsvakuolen).
Darstellung des Zellkerns mit Ho342.
Darstellung des Zellkerns mit Ho342.
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Abb 3: Die länger belichtete Fluoreszenzaufnahme mit Fokus auf die dorsale Pellicula zeigt die sauren Vesikel der dorsalen Bewimperung als regelmäßige Reihen von Cilien. Die Rippen und Cilien selbst sind lichtmikroskopisch schwerer zu erkennen und haben recht große Abstände.
Kontrastierte, länger belichtete Aufnahme in Fluoreszenz.
Kontrastierte, länger belichtete Aufnahme in Fluoreszenz.
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Re: Euplotes daidaleos

#2 Beitrag von Pelagodileptus » 15. Februar 2020, 16:09

Hallo Thilo,

Danke für den ausführlichen Beitrag. Vom Euplotes dailadeos habe ich bestimmt 100 Bilder im Archiv, aber nie verwertet, außer das ich Helmut Berger vor ein paar Jahren zwei Bilder für sein Buch zur Verfügung gestellt habe. Hier in meiner Region finde ich diesen Gesellen "fast" regelmäßig.
Die Kernfärbung habe ich damals mit Hämatoxilin gemacht. Deine Fluoreszenz mit Ho 33342 kommt hier besser rüber!

Danke nochmals fürs zeigen!

Herzliche Grüße,
Michael

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