Nassulopsis elegans

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paramecium
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Nassulopsis elegans

#1 Beitrag von paramecium » 5. Juli 2019, 19:24

Liebe Tümpler,

hier noch eine andere Impression vom diesjährigen Pillerseetreffen.

Über Nassulopsis elegans (Foissner, 1994), deren Synonym und ursprünglicher Name Nassula elegans ist (Ehrenberg, 1833), wurde gelegentlich mit detaillierten DIC Aufnahmen berichtet. Diese werden jedoch der bunten Erscheinungsform des hübschen Ciliaten kaum gerecht, wie ich finde. Kahl (1931) beschreibt einige Gattungen der Familie Nassulidae, wie Nassula und Paranassula und betont die typische, bunte Erscheinungform, die das Erkennen vereinfache. McNally (1926) beschrieb den Lebenszyklus von Nassulopsis elegans und führte zwei Arten zusammen, nämlich Nassula elegans und Nassula ornata. Diese beiden Erscheinungsformen von Nassulopsis elegans entsprechen offenbar zwei verschiedenen Phasen des Lebenszyklus, ähnlich, wie wir es auch von Prorodon ovum kennen. Demnach ist Nassula ornata ebenfalls nur ein Synonym von Nassulopsis elegans. Kahl (1931) führte die beiden Arten aufgrund einer einzelnen kontraktilen Vakuole für Nassula ornata als getrennte Arten, nimmt jedoch auch keinen Bezug auf die Arbeit von McNally. Die Gattung Nassulopsis wurde von Foissner et al. (1994) erneut aufgegriffen und zunächst für ungültig erklärt (nomen nudum), da Faure-Fremiet (1959) versäumt habe, eine Typus-Art festzulegen. Im gleichen Moment greift er den Namen der Gattung Nassulopsis wieder auf und unterstellt ihr nun die Art Nasslopsis elegans, vormals Nassula elegans, als Typus Art.

Nassolopsis elegans ist ein länglicher Ciliat, dessen besondere, farbige Erscheinung sicherlich auf die bevorzugte Nahrung zurückzuführen ist. Charakteristisch sind die oft am Vorderende zu findenden, dunkelblauen Zelleinschlüsse. Nassulopsis elegans ernährt sich vorwiegend von Cyanophyceen, wie Oscillatoria, die ihm die unverwechselbare blau-gelbe Farbe geben. Bei den hier gezeigten Exemplaren sind ebenfalls gefressene Grünalgen bei den frisch gefangenen Individuen zu finden. Der Ciliat besitzt seitlich eine trichterförmige Reuse, über die er seine Nahrung aufnimmt. Diese Reuse sitzt bei Nassulopsis elegans seitlich im vorderen Viertel der Zelle und nicht vorne, wie bei Prorodon oder Holophrya Arten. Ein weiteres Erkennungsmerkmal von Nassulopsis elegans sind mehrere, meist fünf kontraktile Vakuolen, die in einer Reihe entlang der Zelle sitzen. Der Makronucleus ist länglich, begleitet von mehreren Micronuclei, die dicht anliegen. Letztere sind lichtmikroskopisch bei so stark vakuolisierten Zellen, wie die von Nassulopsis elegans, praktisch nicht erkennbar und nur in Färbung nachzuweisen.

Viele Grüße

Thilo

Aufnahmedaten: Zeiss AxioLab.A1, alle Aufnahmen mit Plan-Neofluar 40/0,75, schiefe Beleuchtung (LED Beleuchtung), Canon EOS 77D. Fluoreszenzfärbung mit Hoechst & Acridinorange.

kV: kontraktile Vakuole
Ma: Macronucleus
Mi: Micronucleus
Re: Reuse

Literatur:
  • Foissner et al., 1994. Taxonomische und ökologische Revision der Ciliaten des Saprobiensystems. 3. Band des "Ciliatenatlas", S. 430ff.
  • A. Kahl, 1931. Die Tierwelt Deutschlands. Urtiere oder Protozoa. 2. Holotricha. (Gattung Nassula ab S. 216ff)
  • E. McNally, 1926. Life Cycle of Nassula ornata and Nassula elegans: Are these species valid? Biological Bulletin, 51, No.4, p 237-244.
  • Canter, H. M., et al. (1990). The ecological significance of grazing on planktonic populations of cyanobacteria by the ciliate Nassula. New phytologist, 114(2), 247-263.

Bild 1: Die Typusaufnahme zeigt die tintenblauen und orange-gelben Organellen, die dem Ciliaten seine typische Farbe verleihen. Ferner ist im vorderen Viertel die seitlich an der Zelle sitzende Reuse gut erkennbar.
Bild

Bild 2: Die frisch gefangenen Individuen haben sich wohl auch an Grünalgen satt gefressen. Links: Bei gut genährten Exemplaren sind die tintenblauen Organellen in einer dichteren Gruppe am Kopfende konzentriert und verleihen das Aussehen eines dunkelblauen "Auges" (Pfeil). An diesem Auge ist der Ciliat bereits bei schwächerer Vergrößerung (10- 20x) zu erkennen. Dieses blaue "Auge" verliert sich nach einer Hungerphase und die Organellen verteilen sich im Körper. Dann ist der Ciliat an seiner Reuse und den Vakuolen zu erkennen (vgl. Bild 1,3). Rechts: Begegnung mit einem noch nicht näher bestimmten Dileptiden.
Bild

Bild 3: Kennzeichnend für N. elegans sind mehrere (fünf) kontraktile Vakuolen, welche nicht immer sichtbar sind. Man achte auf die Drehungen der Tiere, und passe die richtige Fokuslage ab, bis die kontraktilen Vakuolen erkennbar sind. Bei hungernden Tieren verliert sich langsam die Färbung, so dass man den Eindruck gewinnt eine andere Art vor sich zu haben. Hier entstanden die Bilder nach einem Tag der Fluoreszenz-Färbung in der feuchten Kammer, wo die Nahrung bald ausging. In dem Mikropräparat befanden sich zwei Exemplare, auch nach einem Tag, deren Aussehen sich jedoch, wie hier zu sehen, veränderte. In der Tat sind auch nicht immer alle fünf kontraktilen Vakuolen so gut zu erkennen, wie hier (falls überhaupt). Die kontraktilen Vakuolen lassen sich bei schwächerer Vergrößerung (20x) aufgrund besserer Schärfentiefe gelegentlich einfacher beobachten.
Bild

Bild 4: Fluoreszenzfärbung zum Nachweis der Micronuclei. Insgesamt konnten bei diesem Exemplar fünf Micronuclei gefunden werden, die jedoch in verschiedenen Schärfeebenen liegen.
Bild
Dateianhänge
Nassulopsis_elegans-2.jpg
Nassulopsis_elegans-4.jpg
Nassulopsis_elegans.jpg
Nassulopsis_elegans-3.jpg
eMail: paramecium@microinformatics.net [Thilo Bauer]

Ole
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Re: Nassulopsis elegans

#2 Beitrag von Ole » 6. Juli 2019, 13:44

Hallo Thilo,

vielen Dank für diese interessante Zusammenstellung. Ich habe es irgendwie versäumt, dieses Objekt am Pillersee an Deinem Gerät zu mikroskopieren. War zu sehr mit den Desmidiaceen befasst ...

Beste Grüße

Ole

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