Obertrumia aurea ein ausgesprochener Einzelgänger

Wimpertiere und Sauginfusorien
Antworten
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Pelagodileptus
Beiträge: 25
Registriert: 2. April 2019, 21:43

Obertrumia aurea ein ausgesprochener Einzelgänger

#1 Beitrag von Pelagodileptus » 21. Juni 2019, 08:37

Liebe Tümplerfreunde,

im Seniebach bei Wilkenburg fand ich in einer Probe einen „einzigen“ Einzelgänger, Obertrumia aurea, mit einer Länge von ca. 240µm, der oft noch mit den Namen Nassula aurea in Verbindung gebracht wird. Zuerst dachte ich an Nassula ornata, Kern und auch die Körperform sprachen für sich, doch beim genaueren hinschauen konnte ich eines Besseren belehrt werden.
Eine komplizierte Nomenklatur der nassuliden Gattungen Nassula, Obertrumia, Zosterograptus, Naxella und Rhinakis, wurde 1987 durch FOISSNER (1987) durchgeführt und so wurde aus Nassula aurea dann Obertrumia aurea. „Vermutlich gehören noch weitere der zahlreichen (wohl über 50) ungenügend beschriebene Nassula – Arten in diese Gattung“. Betrachte ich mir den Makronukleus von dem hier gefunden Ciliaten, würde ich auf eine andere Art tippen. Ich lasse ihn aber hier als O. aurea stehen, solange es hierzu keine neueren Erkenntnisse gibt. Die Artbestimmung der Nassuliden erweist sich immer etwas schwierig.

Bild
Obertrumia aurea in seiner typischen ellipsoiden Form sobald ein Deckglas aufgelegt wird.
MA= Makronukleus; Kv= Kontraktile Vakuole; CC= Caudale Cilien, die nur sehr schwer in Vivo zu erkennen sind.

Die Zelle ist durch die vielen Nahrungsvakuolen mit Cyanobakterien (Blaualgen) und Algen gefüllt und zeigen oftmals verschiedene Verdauungsstadien, die meist auffallend bunt gefärbt ist.

Bild
O. aurea ist wegen der bunten Färbung und der Reuse leicht als ein „nassulides Ciliat“ erkennbar.

Ein typisches Erkennungsmerkmal und die Unterscheidung zu Nassula ornata ist der Mundtrichter, der im vorderen Körperdrittel liegt und einen deutlichen Ring besitzt. Dieser Ring besteht aus 26-28 leicht tordierten, derben Stäben.

Bild
In der richtigen Lage kann man sehr gut den Ring, siehe Pfeile, der Reuse sehen, die mit ein wichtiges Bestimmungsmerkmal darstellt.

Bild
Ausschnitt der Reuse von O. aurea mit Ring, Objektiv 100x.

Zusätzlich habe ich etwas Acridin orange-Zinkchlorid der Probe zugesetzt, um so auf einfache Weise den Makronukleus anzufärben. Der Mikronukleus kann bei O. aurea mit 1 – 4 Kernen vorliegen.

Bild
Linkes Bild: Groß- und Kleinkern von O. aurea. Laut Literatur müsste der Großkern „rund“ sein, obwohl er bei dieser gefundenen Art mehr wurst- und leicht hufeisenförmig aussieht. In der Bildebene ist nur ein Mikronukleus (Mi) zu erkennen, Objektiv 100x.
Rechtes Bild: Durch Anfärbung mit einem flurochrom (AO-Z), lässt sich sehr einfach und schnell der Kern abbilden, Objektiv 16x. MA= Makronukleus; Mi= Makronukleus; R= Reuse.

Viel Spaß beim lesen,
Michael

Literatur:
Foissner, W.; Blatterer, H.; Berger, H.; Kohmann, F. (1991): Taxonomische und ökologische Revision der Ciliaten des Saprobiensystems – Band III: Hymenostomata, Prostomatida, Nassulida. Informationsberichte des Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft, Heft 1/94, 415 – 484

Kahl, A. (1935): Urtiere oder Protozoa I: Wimperntiere oder Ciliata (Infusoria) 7. Familie Nassulidae - Tierwelt Dtl., 216 – 228

Zur Info:
Alle Fotos am BX50 mit Canon eos R dierekt ohen Zwischenoptik, oder mit 1,5x PlanApo Fotookular von B&W Optik, für Olympus Mikroskope und
ein Foto in Auflicht Fluoreszenz am BHS 2 mit Canon eos D700, mit Fotookular 1,67

Antworten