Stylonychia sp.: Mitose

Wimpertiere und Sauginfusorien
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Nostoc
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Stylonychia sp.: Mitose

#1 Beitrag von Nostoc » 15. April 2016, 17:55

Liebe Tümpler,
Stylonychia (mytilus) ist ein weit verbreiteter Ciliat aus der Gruppe der Hypotrichia. Das „Waffentierchen“ ist laut „Wassertropfen“ hinsichtlich
Größe (100-300µm) und Gestalt sehr variabel und verfügt laut Foissners "Revision" konstant über zwei Makronucleus-Teile und mehrere Mikronuclei.
Dieser Ciliat ist mit zahlreichen, teilweise sehr kräftigen Zirren (verschmolzene Cilien-Bündel) ausgestattet, die u.a. wie bei Euplotes („Lauftierchen“)
der Fortbewegung dienen.

Bild

(Stylonychia sp., AZM: Adorale Membranellen Zone, Mi: Mikronuclei, M1-2: die beiden Makronucleus-Teile, KV: Vakuole, CC: Kaudalzirren (drei)).

Unter dem Deckglas neigt Stylonychia sp. mit wachsendem Deckglasdruck leicht zu einer deutlichen Formveränderung, die ursprünglichen Konturen gehen verloren.
Kein schöner Anblick, aber die Nuclei bleiben deutlich erkennbar.

Bild

(„Typisches“ Bild einer stark gequetschten Zelle von Stylonychia sp., Fokus auf die Mikronuclei (Mi), AZM: Adorale Membranellen Zone (Reste), M1-2: die beiden Makronucleus-Teile)

Diese Zelle zeigt unter vergleichbaren Bedingungen Makronuclei mit einer sehr deutlichen Furchung:

Bild

(Stylonychia sp., M1-2: die beiden Makronucleus-Teile, F= Furche im Kern)

Bild

(Stylonychia sp., M1-2: die beiden Makronucleus-Teile, REB: Replikationsband einer Mitose (?))

Ich vermute, bei der Furche handelt es sich um die Replikationszone, die im Rahmen einer Mitose (Zellteilung) gebildet wird.
Frage: Ist meine Interpretation richtig ?



Beste Grüße

Richard
Zuletzt geändert von Nostoc am 17. April 2016, 08:31, insgesamt 1-mal geändert.

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Monsti
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Re: Stylonychia sp.: Mitose (?)

#2 Beitrag von Monsti » 15. April 2016, 19:33

Lieber Richard,

zu genannten Furchen kann ich leider nichts beitragen. Eine beginnende Zellteilung bei Ciliaten habe ich noch nie gesehen. Da müssen wohl die Profis ran.

Aber etwas anderes ... Auf Bild 2 fällt mir auf, dass die Zellkerne wie Vertiefungen aussehen. Insbesondere die Mikronuclei erscheinen wie kleine Mondkrater. Liegt dies an meinen Augen oder doch an der Richtung des Lichteinfalls? Ich habe mir mal erlaubt, dieses Foto herunterzuladen und so zu drehen, dass ich Wölbungen sehe:

Bild

Viele Grüße
Angie
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Nostoc
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Re: Stylonychia sp.: Mitose

#3 Beitrag von Nostoc » 15. April 2016, 19:51

Hallo Angie,
das ist ein häufiges Phänomen, eine Art optische Täuschung, dass man eine Delle als Erhebung oder umgekehrt interpretiert.
Das Bild ist "unbearbeitet" und liegt im RAW-Format vor.

Gruß


Richard
Zuletzt geändert von Nostoc am 17. April 2016, 08:32, insgesamt 1-mal geändert.

MartinKreutz
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Re: Stylonychia sp.: Mitose (?)

#4 Beitrag von MartinKreutz » 15. April 2016, 20:56

Hallo Richard,

erstmal Gückwunsch zu den sehr schönen guten Aufnahmen! besonders das letzte Bild gefäöllt mir. Mal ganz nah ran gegangen. Das ist gut! Die Beschriftung ist meiner Ansicht nach absolut korrekt. Ich interpretiere den gespaltenen Makronukleus auch als "Teilungsfuge". Meines Wissens teilt sich der Mikronukleus bei den Ciliaten immer streng mitotisch, während der Makronukleus amitotisch wie eine Torte geteilt wird. Es wird also statistisch verteilt auf die beiden Tochterzellen. Es ist sehr gut möglich, dass insbesondere die Hypotrichen diesen Mechanismus schon perfektioniert haben und die Makronuklei schon vorher "portionieren", wodurch dann die eigentliche Teilung schneller geht. Man sieht diese Teilungsfurchen nämlich gerade bei den Hypotrichen sehr häufig. Ich habe im Netz noch gelesen, dass die eventuell ungleichmäßige Verteilung des Erbgutes über mehrere Generationen hinweg durch die Konjugationen wieder ausgeglichen wird, nach dem Motto: quick and dirty teilen und hinten rum wieder reparieren per Konjugationen. Zur raschen Besetzung eines Lebensraumes sicher sinnvoll.

Schönen Abend!

Martin

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Re: Stylonychia sp.: Mitose (?)

#5 Beitrag von Ole » 16. April 2016, 08:04

Hallo Richard,

sehr interessant - ich werde bei der nächsten Stylonychia mal darauf achten. Hinsichtlich der Teilungsmodi des Makronukleus bei Ciliaten kann ich nichts beitragen außer der lapidaren Bemerkung, dass aufgrund der starken Genamplifikation bei diesen Strukturen (ist die Organisation des Erbgutes hier überhaupt streng chromosomal?) sicherlich manches anders als sonst ist.

Viele Grüße

Ole

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Re: Stylonychia sp.: Mitose

#6 Beitrag von Nostoc » 16. April 2016, 16:01

@alle: Danke für die freundliche Rezeption des Beitrages !

@Martin: Danke für deine Einschätzung des Themas "Teilungsfuge" !
Deine Hinweise zur "ungleichmäßigen Verteilung" des Erbgutes passen gut zu einer weiteren Beobachtung,
die ich hier dokumentiert habe: => http://www.mikro-tuemplerforum.at/viewt ... f=23&t=332

@Ole: Die Entwicklung in der modernen Biologie ist atemberaubend. Soweit ich weiß, war Stylonychia bereits vor 100 Jahren
ein Objekt erster Untersuchungen zur Genetik.

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