ich möchte Euch ein Video nicht vorenthalten, das ich bereits mehrfach im Rahmen meiner letzten Vorträge gezeigt habe. Der Hauptdarsteller ist hier Spirostomum ambiguum, ein einzelliger Ciliat (Wimpertier), der einigen her wahrscheinlich bereits gut bekannt ist. Der Ciliat wird im bekannten Buch "Das Leben im Wassertropfen" auch als "Sumpfwurm" benannt, obwohl es natürlich kein Wurm sondern ein einzelliger Organismus ist, wenn auch ein sehr großer.
http://microinformatics.net/foren/mikro ... stiert.mp4
Was mir bis zum Aufnahmezeitpunkt meines Videos nicht bekannt war, ist der Umstand, dass Spirostomum ambiguum den Boden durchpflügt, wie ein Regenwurm. Ebenfalls ist Sp. ambiguum an der Wasseroberfläche zwischen verrottendem Laub zu finden.
Die Art ist in dem von mir untersuchten, kleinen Sumpfgewässer "verbrannte Maar" (bei Bornheim) hier mitunter derart häufig, dass man sie vor allem im Winter bereits makroskopisch mit dem bloßen Auge an der Wasseroberfläche zwischen den Blättern erkennt. Teilweise sieht das aus, wie Pollen oder gestreuter Parmesankäse zwischen den Laubblättern der Bäume, wenn diese in großer Zahl im Wasser beginnen zu verrotten. Teilweise konnte die Dichte der Individuen auf weit mehr als 30.000 Exemplare pro Milliliter bestimmt werden. Diese makroskopisch einmalige Beobachtung der enormen Häufigkeit dieses Ciliaten begründete im Jahr 2015 auch die Idee zu meinem kleinen Forschungsprojekt eines langjährigen Monitoring dieses Sumpfes, die nun mikroskopisch verfolgt wird.

Die hellgelben Inseln von "Parmesankäse" in obigen Foto mit meinem Mobiltelefon werden durch die gleiche Spezies gebildet, wie die Ciliaten im Video. Wenn man genau hinsieht erkennt man die einzelnen Individuen auch in hoher Zahl an anderen, weniger auffälligen Stellen zwischen den Blättern im Bild.
Man kann es eigentlich kaum glauben, dass hier einzellige Wimpertiere in dieser extrem hohen Dichte zu finden sind.
Ich freue mich, dass die untere Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises mir heuer für weitere drei Jahre eine Genehmigung erteilte diesen Sumpf, der unter strengem Naturschutz steht, regelmäßig zu beobachten und Proben zu entnehmen.
Viele Grüße
Thilo