um das Verhalten von Gastrotrichen über eine längere Zeit zu beobachten, habe ich einige Proben in einem Hohlschliff-Objektträger mit einem Deckglas mit Vaseline-Rand eingeschlossen. Solche Mikro-Aquarium-Präparate bleiben einige Wochen intakt und erlauben so auch Langzeitbeobachtungen. Durch die große Schichtdicke ist die Fotoqualität aber leider recht gering.
Als Probe habe ich einen Tropfen Detritus aus meinem Gartenteich verwendet. Diese Proben sind meist sehr reich an Gastrotrichen, so dass man im Durchschnitt zwischen 5 bis 10 Tiere in der Probe (nachdem sich die Panik gelegt hat und die Tiere wieder aus ihren Verstecken auftauchen) findet. Bei einem Hohlschliff-Volumen von ca. 50µl (wenn ich richtig gerechnet habe) kommt man so auf eine Dichte von 100000 bis 200000 Tieren pro Liter Detritus. In diesen Proben finden sich am häufigsten Chaetonotus cf. elegans.
Auffallend ist, dass der Gastrotrichenbesatz bei unterschiedlichen Proben recht unterschiedlich war. Offensichtlich sind die Tiere im Detritus nicht gleichmäßig verteilt. Dies bestätigt sich auch bei der Beobachtung im Mikro-Aquarium, bei der auffällt, dass sich die Gastrotrichen in der Probe zu einem Art "Rudel" zusammenschließen und praktisch nie alleine anzutreffen sind. Interessant finde ich auch, dass dieses Verhalten artübergreifen ist, so dass man praktisch alle Tiere eines Präparates (auch unterschiedlicher Arten) in der selben "Gegend" des Präparates antrifft.
Die Eiablage bei Ch. cf. elegans findet in leeren Hüllen von Wasserflöhen statt. Oft trifft man auf Gelege mit mehreren Eiern in etwa dem selben Entwicklungsalter.
Offensichtlich wurden diese Gelege von mehreren Tieren abgelegt, da bei Gastrotrichen immer nur ein Ei pro Tier reift. Da in den Proben immer viele "unbenutzte" Hüllen von Wasserflöhen zu finden sind, halte ich das Auftreten von Gelegen mit mehreren Eiern nicht für einen Zufall. Bild 1 zeigt ein solches Gelege, mit vier etwa gleich weit entwickelten Eiern.
Bild 1: Ch. cf. elegans, Gelege
Da mit dieser Art von Proben eine Langzeitbeobachtung möglich ist, wollte ich versuchen, das Schlüpfen eines Jungtieres zu beobachten. Die beiden ersten Schlupfe habe ich leider verpasst, aber beim dritten hatte ich Glück:
Bild 2: Ch. cf. elegans, Schlupf
Während der Entwicklung des Tieres liegt der Gastrotrich die meiste Zeit ruhig in seinem Ei. Lediglich das Schlagen der Wimpern und gelegentliches Zucken des Pharynx zeigen, dass das Tier am Leben ist. Kurz vor dem Schlüpfen (ca. 10 min) dreht das Tier den Mund in Richtung Eischale und reibt ihn ein Stück an der Schale. Ob dabei die Schale mechanisch geöffnet wird oder oder sie chemisch zersetzt wird konnte ich nicht erkennen. Nach einer kurzen Ruhepause wird die Schale gesprengt und das Tier verlässt das Ei.
Bild 3: Ch. cf. elegans, juveniles Tier
Bild 3 zeigt das frisch geschlüpfte Tier, das sich dann aufmacht, den leeren Magen möglichst schnell mit Blaualgen zu füllen.

Bild 4: Ch. cf. elegans, Vergleich adultes und juveniles Tier
Der Vergleich eines juvenilen Tieres mit einem erwachsen zeigt, dass - wie bei zellkonstanten Tieren zu erwarten - die Gestalt sehr ähnlich ist. Kopf, Pharynx und Schwanzgabel haben bereits die endgültigen Größe. Bei dem Tier wächst lediglich die Darmregion bis nach einigen Tagen die volle Reife erreicht wird.
Viele Grüße
Michael