Gastrotrich Chaetonotus polyspinosus

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Michael
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Gastrotrich Chaetonotus polyspinosus

#1 Beitrag von Michael » 15. Juli 2016, 12:01

Hallo Tümpler,

nachdem ich nun innerhalb von ca. einem Monat bereits die siebte Gastrotrichen-Art in meinem Teich gefunden habe, möchte ich Euch eine besonders große Art vorstellen.
Chaetonotus polyspinosus ist auf Grund seine Größe von 250µ bis 355µ und seinem dichten, gleichmäßigen Stachelbesatz leicht zu erkennen. Mein Exemplar ist mit ca. 265µ eher etwas klein geraten, erlaubt aber dennoch einen Einblick in viele Einzelheiten, die bei kleineren Arten nur schwer zugänglich sind.

Bild
Bild 1: Ch. polyspinosus, PL40; A: dosal; B: median; C: ventral

Ch. polyspinosus ist eine weit verbreitete Art, die in stehenden, kleineren und verkrauteten Wasserkörpern häufig vorkommt. Auffallende sind die 20-25 dorsalen Längsreihen kleiner, kurzbestachelter Schuppen (Bild 1A). Am Hinterende an der Zehenbasis sitzen einige abrupt verlängerte und verdickte Stachelpaare. Der Kopf ist durch die stark entwickelten Kopfplatten (Kephalon und Pleurenpaare) deutlich fünflappig gegliedert (Bild 1B). Das ventrale Zwischenfeld (zwischen den Zilienbändern) ist mit kleinen, länglich-ovalen, gekielten Schüppchen bedeckt (Bild 1C).

Wegen seiner Größe bot das Tier die Möglichkeit, die Mund-Anatomie genauer zu studieren:

Bild
Bild 2: Ch. polyspinosus, Kopf, PL100; gefärbt mit Methyl-Grün

Die Mundröhre bei allen Chaetonotoidea besteht aus einem kutikularisierten Zylinder der sich nach innen bis zum Pharynx fortsetzt. Bei vielen Arten konnte ich schon beobachten, dass diese Röhre durch die Pharynxbewegung etwas nach außen verlängert werden kann und sich dabei etwas erweitert. An der Innenseite der Röhre sitzen meist einige gebogene Mundstacheln, die in „Ruhestellung“ die Mundöffnung reusenartig verschließen.
In Bild 2 erkennt man recht schön, dass die Wandung der Mundöffnung mäanderartig in Falten ausgebildet ist. Diese Falten sind es wohl, die bei schwächeren Vergrößerungen (oder kleineren Tieren) als Längsleisten erscheinen. An den Innenbiegungen der Falten sind die (schwach erkennbaren) Mundstacheln angesetzt.
Wenn der Pharynx sich zum Saugen erweitert, schiebt er nun die Innenseite der Mundröhre nach außen. Dadurch stülpt sich die doppelwandige Mundröhre wie ein Handschuh um und kann sich durch die Fältelung etwas erweitern. Der Fußpunkt der Mundstacheln wandert dabei ebenfalls etwas nach außen. Dadurch öffnet sich die Reuse und die Nahrung kann ungehindert eingesaugt werden.
Diese Beschreibung stammt ursprünglich von Zelinka und deckt sich mit meinen Beobachtungen. Bei Schwank wird die Mundröhre allerdings als starr und nicht erweiterbar beschrieben. Möglicherweise gibt es hier Unterschiede von Art zu Art.

In Bild 2 ist auch das Hyperstomium (Hyp) schön zu erkennen, dass bei dieser Art aus einer Kutikularplatte mit zwei kegelförmigen Höckern besteht. Neben dem Hypostomium erkennt man die Zellkerne der Zellen (markiert mit *), aus denen die beiden oralen Wimpernbüschel entspringen (die Wimpern überleben die Präparation leider nicht).

Ich hoffe, bei Euch ein wenig Lust auf die Beobachtung dieser interessanten Tiere geweckt zu haben.

Viel Grüße

Michael
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