in einer meiner aktuellen Tümpel-Proben finden sich Exemplare von Floscularia ringens, einem mit 1000-1900µm Länge recht großen Vertreter der Gattung Flosculariidae. Dieses überwiegend sessil lebende Rädertier ist in reinen Schöpfproben eher selten anzutreffen, da Floscularia als Habitat Blätter von Wasserpflanzen wie Seerosen oder Laichkraut bevorzugt. Wegen der sporadischen Besiedlung in kleinen Kolonien ist es sinnvoll, die Blätter vor Ort mit einer Lupe zu kontrollieren. Meine Probe stammt aus einem Toteiskessel-Tümpel bei Haag in OBB, der eine für diese Gegend ungewöhnlich reiche Zieralgen-Flora (Micrasterias, Closterium, Staurastrum, Cosmarium ….) zeigt. Passend zu diesem Arten-Spektrum liegt der pH-Wert der Wasserprobe bei pH 6,2 , der Leitwert beträgt 60µS. Für die Beobachtung unter dem Mikroskop habe ich die von Floscularia besiedelten Blätter unter dem Stemi mit einem Skalpell in kleine Stücke geschnitten. Das mechanisch weniger schonende Abschaben der Blätter mit einer Rasierklinge veranlasst einen Teil der Rädertiere zum Verlassen der Gehäuse (siehe unten). Das Auflegen des Deckglases ist u.U. ein kleines Geduldspiel, da bei ungünstiger Lage der Floscularia Gehäuse die Aktivität des Radorgans zu einer Rückkopplung mit dem Retraktionsmechanismus führt. Die so zyklisch ausgelösten Retraktionen erschweren naturgemäß die Beobachtung und die Dokumentation. Von den von mir präparierten Exemplaren war nur ca. jedes fünfte im Präparat aktiv, die anderen verblieben dauerhaft in ihren Röhren.
Die erwachsenen Tiere leben in bräunlich bis gelblich gefärbten Gehäusen aus Detritus-Pillen.
(Floscularia, retrahiertes Exemplar. Die beiden Lateral(ventral)taster ragen aus dem Gehäuse)
(Floscularia mit ausgeklappter, vierlappiger Korona, im Bild links befindet sich ein leeres Gehäuse)
Bei stärkerer Vergrößerung erkennt man die Cilienbüschel am Rand des Korona-Lappens.
Ein bei der Präparation exiliertes Exemplar (lateral) :
(Ko: vierlappige Korona, Ka: Kauer, Vi: Vitellarium , Ma: Magen, F: Fuß, M: quergestreifte Muskelstränge)
Ein Detailbild des Fußansatzes zeigt neben einem quergestreiften Muskelstrang (M) auch Teile des netzförmigen,
beweglichen, anastomosierenden amöboiden Gewebes (A, gelbe Pfeile)(Koste Band 1. S. 22)
(Es ist allerdings leicht möglich, im Einzelbild das amöboide Gewebe mit Teilen des ventralen Hauptnervs zu verwechseln)
Das Gehäuse ist nahezu perfekt und lückenlos aus aneinandergeklebten „Pillen“ aufgebaut
Das Rädertier stellt die „Pillen“ aus eingestrudeltem Detritus in einer mit Cilien ausgelegten Wimperngrube, dem sog Modulus her. Die „Pille“ wird beständig im Modulus in einer Drehbewegung gehalten und mit Detritus beaufschlagt, wobei vermutlich ein Drüsensekret als Klebstoff dient. Die fertige „Pille“ wird mit einer kombinierten Retraktion- und Drehbewegung des Körpers in einer „passenden“ Lücke der Gehäusewand platziert.
(Wimperngrube mit fertiger „Pille“, La: Labium (Lippe, zurückgeklappt), VT: Ventraltaster, M: Modulus)
Bei Floscularia gibt es männliche und weibliche Tiere. Die Männchen sind deutlich kleiner als die Weibchen und haben einen stark reduzierten Körperbau (Fuß, Radorgan).
(Floscularia Männchen)
Die letzte Aufnahme entstand unter technisch widrigen Umständen, zeigt aber eine „Rarität“.
Ergänzender Hinweis: Ob wirklich ein Männchen vorliegt, kann man aus obigem Foto nicht herleiten.
Meine Diagnose stützt sich hauptsächlich auf meine Beobachtung.
Beste Grüße
Richard



