Drei Gastrotrichen aus fränkischem Niedermoor

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Ole
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Drei Gastrotrichen aus fränkischem Niedermoor

#1 Beitrag von Ole » 19. April 2016, 16:51

Liebe Freunde des Tümpelns,

Am vergangenen Wochenende habe ich ein kleines Niedermoor in der Nähe von Würzburg besucht und Proben genommen. Um alte Halme herum wuchs in gallertigen Büscheln die kaltes Wasser liebende Grünalge Draparnaldia glomerata. Das flache Wasser war praktisch gänzlich klar. Mit einem Schöpfbehälter habe ich einige Proben vom lockeren Sediment aus ca. 30 cm Tiefe genommen und unter dem Bino in Petrischalen ausgelesen. Das Sediment bestand im Wesentlich aus Pflanzenresten in unterschiedlichen Stadien der Zersetzung. Neben auffälligen Turbellarien – die ich noch nicht näher untersuchen konnte – habe ich auch einige interessante Gastrotrichen gefunden, die ich hier vorstellen möchte.

Chaotonotus (Zonochaeta) spec. fiel in der Petrischale durch die eleganten, gleitenden Bewegungen am Boden auf. Die schlanke Art erreicht eine Rumpflänge von ca. 175 µm und trägt in der Rumpfmitte einen charakteristischen Gürtel von stark verlängerten dorsalen Stacheln, die distal zwei Spitzen aufweisen. Die dorsalen Rumpfschuppen sind elliptisch mit einem medianen Kiel (rechte Teilabbildungen oben und unten, unterschiedliche Fokusebenen, Ez=Eizelle, Ph=Pharynx, Da=Darm, Cst=Caudalstachel).

Bild

Chaetonotus (Hystricochaetonotus) persetosus ist ein kleiner, gedrungener Gastotrich (gut 100 µm Rumpflänge), der wie alle Vertreter dieses Formenkreises lange Dorsalstacheln trägt, die sich weit über die Rumpfkontur erheben und die von einer dreilappigen Basisschuppe ausgehen. Das abgebildete Exemplar zeigte mit der Ventralseite nach oben, so dass mit der Ölimmersion die winzigen, nur wenige µm langen Schüppchen des ventralen Zwischenfeldes gut zu dokumentieren waren (vlSst=ventrolaterale Schuppenstachel, SvZf=Schuppen des ventralen Zwischenfeldes, Ph=Pharynx, Ez=Eizelle, Da=Darm, dSst=dorsaler Schuppenstachel)

Bild

Chaetonotus (Hystricochaetonotus) persetosus
lässt sich u.a. an der typischen Anordnung der kleinen caudalen Rumpfschuppen (cRs) und den Terminalplatten (Tpl) mit feinem Dornfortsatz erkennen. Die Schuppenstachel (Sst) gehen von einer Basisschuppe (Bs) aus und zeigen eine subterminale Nebenspitze (Nsp).

Bild

Zwischen den Detritusflöckchen in der Petrischale im freien Wasser fand ich ein Exemplar des hemiplanktischen Gastrotrichen Dasydytes cf. ornatus. Leider lag das Exemplar etwas ungünstig in Seitenlage, so dass ich die schöne Symmetrie der abspreizbaren Sprungstachelgruppen nicht darstellen konnte. Eine mächtig entwickelte Eizelle (und weitere, reifende Eizellen) dehnen den Rumpf erheblich (Ph=Pharynx, Da=Darm, Ez=Eizelle, Nsp=Nebenspitze).

Bild

Ich merke, dass ich die Bilder eigentlich gerne ein wenig kleiner haben würde - so wichtig sind sie auch nicht. Mache ich das über das Pixelmaß in PS? Welche Größe würdet ihr empfehlen?

Danke und viele Grüße

Ole
Zuletzt geändert von Ole am 20. April 2016, 07:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Nostoc
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Re: Drei Gastrotrichen aus fränkischem Niedermoor

#2 Beitrag von Nostoc » 19. April 2016, 19:54

Hallo Ole,
vielen Dank für diese in jeder Hinsicht beeindruckende Dokumentation !
Als Laientümpler mache ich um die Bauchhärlinge meist notgedrungen einen taxonomischen Bogen, da die allgemeinzugängliche Literatur eher dünn gesät ist.
Welche Literatur bzw. Internetquellen zu diesem Thema kannst du empfehlen?
Auf deinem vorletzten Bild zeigst du ein Exemplar mit „mächtig entwickelter Eizelle“. Ich habe gelegentlich vergleichbare Exemplare vorgefunden, hielt die „abnorm“ groß geratenen Eizellen aber aus Unkenntnis für „unphysiologisch“ (Artefakt, Parasit etc.).
Wie werden diese vergleichsweise riesigen Eizellen ohne Schaden für das „Muttertier“ abgesetzt?

Richard
P.S.: Die Bildgröße empfinde ich als angenehm und „angemessen“, sehr gerne mehr davon !

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Monsti
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Re: Drei Gastrotrichen aus fränkischem Niedermoor

#3 Beitrag von Monsti » 19. April 2016, 20:35

Hallo Ole,

vielen Dank für diese wunderschöne Dokumentation! Mir geht es meistens wie Richard: Die Gastrotrichen sind mir überwiegend ein ganz großes Rätsel, zumal sie sich auch nur schwer ablichten lassen und mit Vorliebe seitlich schwimmen.

Deine Hinweise zu den bestimmungsrelevanten Merkmalen sind klasse. Allerdings scheitere z.B. ich schon mal an meiner Ausstattung (und meinen Augen). Trotzdem konnte ich dank Deiner Dokumentationen schon das eine oder andere Viech zumindest näher eingrenzen.

Zu den empfohlenen Bildgrößen gibt es Hinweise im Bestimmungsforum --> http://www.mikro-tuemplerforum.at/viewt ... ?f=15&t=13. 800 px sollten die Fotos und Montagen möglichst nicht überschreiten.

Das letzte Foto ist für mich der Hammer schlechthin - Wahnsinn!!! :wicked_001:

Liebe Grüße
Angie
Der das Kleine in Ehren hält, ist des Großen umso würdiger. (Sprichwort)

Ole
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Re: Drei Gastrotrichen aus fränkischem Niedermoor

#4 Beitrag von Ole » 20. April 2016, 08:56

Hallo Angie und Richard,

vielen Dank für Euer Interesse. Ja, die Gastrotrichen sind nicht so ganz leicht zu mikroskopieren. Wenn man sich aber an die Grundsätze von Martin Kreutz bei der Untersuchung von Ciliaten hält, kommt man auch bei Gastrotrichen ganz gut weiter. In jedem Fall muss man für die genaue Beobachtung einzelne Tiere ohne Detritus mikroskopieren und gezielt durch Abziehen von Wasser die Schichtdicke reduzieren und die Objekte stillegen.

Für die Untersuchung des Schuppenkleides ist die Ölimmersion essentiell, DIK ist natürlich sehr hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.

Zur Bestimmung der Süßwasserarten eignet sich am allerbesten das Buch von P. Schwank (1990) Gastrotrichen, in: Süßwasserfauna von Mitteleuropa, Gustav Fischer Verlag. Man findet dies ab und zu antiquarisch.

@Richard: Diese enorme relative Größe der Eizellen ist bei Gastrotrichen durchaus normal. In einem anderen Beitrag http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=24874.0 hatte ich auch marine Gastrotrichen vorgestellt, bei denen das Verhältnis Eizellen-Rumpfdurchmesser ähnlich ist. Bei diesen Organismen kommt es vor, dass zur Eiablage die Körperwand temporär aufreißt, das Ei abgegeben wird und die Epidermis anschließend wieder verheilt. Das heißt dann lapidar "Ruptur der Körperwand".

Beste Grüße

Ole

Nostoc
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Re: Drei Gastrotrichen aus fränkischem Niedermoor

#5 Beitrag von Nostoc » 20. April 2016, 09:25

Hallo Ole,
Danke für die ergänzenden Hinweise !
Der "link" führt zu einem weiteren, echten "Highlight" .................... :wicked_001:

Richard

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