Welche Alge(n)?

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Rainer
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Welche Alge(n)?

#1 Beitrag von Rainer » 23. Juli 2017, 08:50

Hallo Tümpler,

wie an anderer Stelle schon gesagt, bitte ich um Nachsicht: Als Neuling spreche ich weder das erforderliche Fachchinesisch noch verfüge ich über das Wissen und die Erfahrung, meine Tümpelfunde so zu identifizieren, wie ich das gerne möchte.

Diese büschelförmige Alge fand sich recht häufig in Proben aus dem Gartenteich einer Freundin, meist aufsitzend auf fadenförmigen Algen, aber auch "frei" wie auf dem ersten der beiden Bilder. Ich vermute eine Rotalge (wie Audouinella), komme jedoch trotz Konsultation des "Wassertropfens" und des "Algenführers" nicht zu einer klaren Identifizierung.

BildBild

In den gleichen Proben finden sich, meist an Spirogyra, koloniebildende Grünalgen (im Bild unscharf, weil der Fokus auf den "Fäden" liegt), von denen beeindruckend lange, fadenanartige Strukturen ausgehen, die sich jedoch nicht bewegen. Worum handelt es sich hier? Geißeln können das ja wohl nicht sein.

Bild

Für eine Aufklärung schon an dieser Stelle meinen herzlichen Dank!

Herzliche Mikrogrüße
Rainer

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Monsti
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Re: Welche Alge(n)?

#2 Beitrag von Monsti » 29. Juli 2017, 20:21

Hallo Rainer,

anhand Deiner Fotos ist eine Identifikation echt schwer, aber ich versuche es mal mit Verdachtsdiagnosen:

Die erste Alge könnte eine Coloeochaete-Art sein. Im Wassertropfen (12. Aufl. auf S. 194/195) findest Du etwas in dieser Art unter Nr. 6.

Bei der zweiten Alge muss ich passen, weil es etliche Arten gibt, die fädige Ausläufer bilden, z.B. Chaetosphaeridium, Aphanochaete und (in Deinem Fall aber eher unwahrscheinlich) Bulbochaete sp.

Liebe Grüße
Angie
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Rainer
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Re: Welche Alge(n)?

#3 Beitrag von Rainer » 30. Juli 2017, 08:54

Hallo Angie,

vielen herzlichen Dank für deine Antwort und Hilfe!

Viel weiter als deine Vermutungen, die mir beim Vergleich recht wahrscheinlich scheinen, wird man wohl nicht kommen. Wenn mir die Algen das nächste Mal begegnen, werde ich nochmals versuchen, zu einer genaueren Identifikation zu kommen.

Nachmals danke und viele Grüße
Rainer

MartinKreutz
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Re: Welche Alge(n)?

#4 Beitrag von MartinKreutz » 30. Juli 2017, 19:14

Hallo Rainer,

ich gehe mal davon aus, dass Du nicht nur Forums-Neuling bist, sondern auch Mikroskopie Anfänger. Ich kenne es aus meinen eigenen Anfängen, dass es beim tümpeln sehr viel zu sehen gibt und man nicht die geringste Ahnung hat, was es sein könnte. Mir ging es genauso. Ich kann Dir aus dieser Erfahrung heraus nur raten, Dich erstmal an großen und einfachen Objekten zu üben, was die Bestimmung angeht, aber auch die fotografische Technik. Gerade die trichalen Algen, die Du hier zeigst, sind besonders schwer zu bestimmen, wenn man keine Detailaufnahmen und Vermehrungstadien hat.

An Deinen Bildern ist mir aufgefallen, dass die ersten beiden wahrscheinlich überbelichtet sind oder zu stark Konstrast verstärkt. Bei der dritten Aufnahme, ist das Objekt, welches Du fotografieren wolltest nur sehr klein in der Bildmitte. Wenn es Deine Ausrüstung zulässt, musst Du hier stärkere Objektive verwenden. Außerdem liegen die Objekte "drum herum" in der Unschärfe, was bedeutet, dass Du eine gehörige Schichtdicke hattest. Die muss runter, damit Du mehr siehst!

Versuch mal folgendes. Wenn Du eine gute Probe hast (mit Algen und Viechern), ein paar Tropfen auf den Objektträger und Deckglas auflegen. Dann ein Baumwolltaschentuch auflegen und mit der flachen Hand leicht andrücken. Du wirst sehen, dass dann viele Objekte nur nur festgelegt sind (z.B. Rädertiere), sondern auch viel detailreicher abgebildet werden.

Martin

Rainer
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Re: Welche Alge(n)?

#5 Beitrag von Rainer » 31. Juli 2017, 07:59

Hallo Martin,

herzlichen Dank für deine Antwort auf meine Frage und ganz besonders für die Tipps zur Reduzierung der Schichtdicke und für das Festlegen der Untersuchungsobjekte. Die Idee mit dem Taschentuch ist mir neu - ich werde das versuchen.

Die Algen im dritten Bild (ganz einfache einzellige Grünalgen übrigens, zu einem Klumpen zusammengeballt) liegen deshalb in der Unschärfe, weil ich den Fokus auf die langen Fäden, die von ihnen ausgehen, legen wollte. Aber dieses Entweder-Oder hat ja wohl wieder mit der hohen Schichtdicke zu tun.

Du hast natürlich Recht mit deiner Vermutung hinsichtlich meines "Anfängerstatus" - ich würde jedoch eher von "Wiederbeginn" nach einer Pause von gut 50 Jahren sprechen. :) Und natürlich hast du Recht mit deiner Empfehlung, sich erstmal an Einfacherem zu versuchen; mal sehen, ob ich es auch beherzigen kann: Es gibt einfach so viel Faszinierendes....

Herzliche Grüße
Rainer

MartinKreutz
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Re: Welche Alge(n)?

#6 Beitrag von MartinKreutz » 31. Juli 2017, 19:45

Hallo Rainer,

das mit dem Taschentuch ist ja auch nur die Express-Variante, um zu einem Präparat mit dünner Schichtdicke zu kommen. Viele Algen aber auch einige Metazoen vertragen diese Behandlung. Die etwas feinere Art ist dass Wasser vorsichtig von der Seite abziehen (mit Filterpapier oder Streifen von Kaffeefilter). Die schonenste Methode ist (für besonders sensible Viecher) ist das langsame Eindunsten. Du wirst sehen, dass dann viele Details wesentlich besser zu erkennen sind und die Viecher dann oft auch festgelegt sind.

Viele Spass beim weiteren ausprobieren!

Martin

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