Welches Objektiv für Planktonproben?

Hier geht es um unsere Arbeitsgeräte, deren Wartung und Ausbau sowie um optische Details (z.B. Kontrastverfahren)
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paramecium
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Welches Objektiv für Planktonproben?

#1 Beitrag von paramecium » 31. Januar 2026, 20:17

Liebe Foristi,

welche Objektive oder unterstützende Techniken sind für Planktonproben von Vorteil?

In der Fachliteratur geistert immer wieder die Empfehlung bei der Erforschung wichtiger Details bestimmter Arten zu hohen Vergrößerungen mit der Öl-Immersion zu greifen, z.B. 100x Oil. Untermauert wird dies stets durch die notorischen Hinweise auch in der Amateurmikroskopie.
  • Welche Objektive sind eigentlich für Plankton sinnvoll?
  • Muss man immer zu speziellen Deckgläsern greifen?
  • Warum bzw. ab wann liefern Trockenobjektive bei hohen Vergrößerungen ein schlechtes Bild?
  • Wie kann man dem Problem unscharfer Abbildungen in Wasserproben begegnen?
Das grundsätzliche Problem ist, dass sowohl Trocken-Objektive, als auch Öl-Immersion für die Beobachtung wässriger Proben prinzipiell nicht geeignet sind. Auch gibt es moderne Publikationen, die wieder(!) entdecken mussten, dass die in der Fachliteratur immer wieder gelesene Empfehlung der Ölimmersion für die Untersuchung von Plankton keine gute Idee ist. Leider schreiben die Autoren der Standardliteratur häufig unreflektiert voneinander ab. Auch hängt dies eventuell mit der Verfügbarkeit und den Preisen an die Planktonbeobachtung angepasster Objektive zusammen, die eher selten sind und nicht von allen Herstellern angeboten werden (Zeiss, Evident Olympus, Leica, Lomo).

Da Immersion-Öl in der Mikroskopie nahezu den gleichen Brechungsindex aufweist, wie Glas, hängt die Bildqualität beim Ölimmersionsobjektiv in diesem Fall nicht von der Dicke des Deckglases ab. Das Öl bildet mit dem Deckglas sozusagen eine optische Einheit mit annähernd gleichem Brechungsindex. Eine variable Schichtdicke des Öls kann jedoch zur Verschlechterung des Bildes beitragen, wenn die Öl-Immersion zweckentfremdet wird. Die Öl-Immersion ist eben nicht für Planktonproben gedacht. Auch Trockenobjektive leiden unter optischen Fehlern, weil sie nicht für den Blick in eine Planktonprobe mit hoher Wassersäule unter dem Deckglas gedacht sind, insbesondere die hohen Vergrößerungen (>40x). Dies will ich hier gerne näher ausführen und diskutieren.

Ein Experiment, das ich vor Jahren mit zwei verschiedenen Objektiven durchführte, ein leistungsfähiges Zeiss Trockenobjektiv Plan-Neofluar 40x/0,75 und ein modernes Zeiss Wasser-Immersionsobjektiv 40x/1,2 aus dem Forschungsbereich, immergiert mit einem Tropfen Wasser, ergab folgendes Bild von einer Alge im gleichen Präparat bei einer Wassersäule von ca. 150 µm (0,15 mm).

Bild
Abbildung: Unbearbeitete Abbildungen einer Grünalge mit einem Trockenobjektiv und einem Wasser-Immersionsobjektiv.

Nicht die höhere numerische Apertur des Multi-Immersionsobjektivs lieferte das bessere Ergebnis. Vielmehr haben wir es bei der Abbildung mit dem leistungsfähigen Trockenobjektiv mit einem optischen Fehler zu tun, der bei der Brechung der Lichtstrahlen bei höherer Wassersäule auftritt. Hier erfahren die Lichtstrahlen vom Objektiv ausgehend mehrere Übergänge, bei denen das Licht jeweils gebrochen wird: Glas-Luft-Glas-Wasser. Das Trockenobjektiv kann die unterschiedlich gebrochenen Lichtstrahlen, verursacht durch die Lichtbrechung bei unterschiedlicher Wassertiefe im Präparat, nicht kompensieren. Gelegentlich helfen dünnere Deckgläser (<0,17mm) diesen Umstand ein wenig abzufangen. Auch bei der Ölimmersion tritt eine Verschlechterung des Bildkontrasts mit zunehmender Wassersäule auf, durch die man hindurchblickt. Aber warum ist das so?

Das zu lösende Problem der Immersion ist die Vermeidung der sphärischen Aberration. Sphärische Aberration entsteht, wenn achsferne Lichtstrahlen abhängig von der Tiefe im beobachteten Medium (hier Wasser) divergieren und sich nicht mehr im gleichen Punkt (Objektebene) vereinen. Dieser Effekt führt dazu, dass bei Trockenobjektiven und auch(!) Öl-Immersions-Objektiven unterhalb des Deckglases die Bildqualität immer schlechter wird, je tiefer man in die Probe fokussiert. Das Bild wird flauer und kontrastärmer, auch Farbfehler werden auftreten, da immer mehr Lichtstrahlen stark divergieren und nicht mehr zum scharfen Bild beitragen. Der Effekt tritt um so stärker in Erscheinung, je höher die Vergrößerung wird, und wird mit dem Auge merklich etwa ab 40x wahrgenommen.

Bild
Abbildung: Erläuterung zur Entstehung der sphärischen Aberration bei Ölimmersion entnommen aus: Vermeulen, K. et al., 2006.

Gelöst wird dies, indem man Objektive so konstruiert, dass durchgängig, bei Verwendung eines Deckglases oberhalb und unterhalb des Deckglases, der gleiche Brechungsindex existiert, nämlich der Brechungsindex des untersuchten Mediums (z.B. Wasser), so dass die Lichtstrahlen ohne sphärische Aberration, quasi geradlinig vom Objektiv zum betrachteten Objekt laufen. Die Wasser-Immersion ist eine schon länger existierende Technik und in der Planktonbeobachtung eigentlich zu bevorzugen. Das Deckglas sollte hierbei eine bestimmte Dicke haben, jedoch ist bei erstklassigen Wasser-Immersions-Objektiven heute eine Möglichkeit der Einstellung der Deckglasdicke über einen Einstellring gegeben. Die Öl-Immersion ist für Präparate mit ähnlichem Brechungsindex des Einbettungsmediums zu wählen (z.B. Kanadabalsam, Kunstharze). Bei der Ölimmersion entfällt die Notwendigkeit der Kompensation der Dicke des Deckglases, weil Öl, Deckglas und das Einbettungsmedium näherungsweise den gleichen Brechungsindex aufweisen. Eine Sonderanwendung ist die gelegentlich angewandte Technik der Einbettung pflanzlicher Proben in Glyzerin, wofür man Immersion mit Glyzerin benötigt. Hier gilt das Gesagte wie für die Wasserimmersion (Brechungsindex des Mediums ungleich dem Brechungsindex von Glas).

Historisch entstand die die Idee der Wasserimmersion sogar vor der Ölimmersion. Damals war das belebte Wasser sehr interessant für die Forschenden. Es war Hartnack, um 1867, der solche Objektive erstmals auf der Weltausstellung in Paris präsentierte. In einem Schriftwechsel wurden diese Objektive von Charles Darwin lobend erwähnt. Auch andere, wie Louis Pasteur oder Robert Koch verwendeten damals die neuen Wasserimmersionsobjektive von Hartnack für bahnbrechende Forschung. Die Ölimmersion wurde interessanterweise später ersonnnen, und war für die Beobachtung eingedeckter Präparate in Harzen konzipiert, deren Brechungsindex sich von Wasser unterscheidet.

Die Anwendung von Ölimmersionobjektiven in der Beobachtung von Plankton ist ebensowenig ideal, wie die Verwendung von Trockenobjektiven. Daher gilt, dass Ölimmersion-Objektive nur in einer dünnen Schicht unterhalb des Deckglases ein klares Bild liefern. Je tiefer man in die Probe blickt, verschlechtert sich der Bildkontrast. Das Gleiche gilt ebenfalls für stärker vergrößernde Trocken-Objektive. Bei geringer Vergrößerung fällt der Effekt nicht so ins Auge ist aber auf Photos gut nachzuweisen. Daher funktionieren die hoch vergrößernden Trocken-Objektive (60x) ebenfalls nicht gut bei dicken Wasserschichten, sondern bestenfalls knapp unter der Unterseite des Deckglases. Dies wird vom Beobachter gelegentlich so empfunden, als würde das jeweilige Objektiv von schlechter Qualität sein, oder eben "launisch".

Ich habe mich vor kurzem mit einem Kollegen unterhalten (Mitarbeiter bei Zeiss) und ihn gefragt, wie es kommt, dass Ölimmersion noch immer in der Nachkriegsliteratur empfohlen ist. Historisch scheint die Wasser-Immersion in der Standardliteratur der Mikroskopie irgendwo zwischen oder nach den Weltkriegen verloren gegangen zu sein, oder sie fand nie Eingang, weil das Wissen zu Zeiten von Hartnack so alltäglich war, die genauere Theorie des Mikroskops jedoch noch nicht vollständig verstanden. Möglicherweise fehlt den Autoren von allgemeinen Handbüchern zur Mikroskopie tieferes Wissen über optische Fehler, oder sie ignorieren spezielle Hinweise in der Fachliteratur. Es ist überraschend, dass über Hartnack heute kaum etwas in der allgemeinen Literatur zu lesen ist. Erst Max Born verallgemeinerte die experimentellen Befunde zur mikroskopischen Auflösung nach Ernst Abbe in der elektro-magnetischen Theorie des Lichts und der Fouriermathematik. Viel Metall wurde zu seiner Zeit im 2. Weltkrieg für die deutsche Rüstung gesammelt und eingeschmolzen. Viele Mythen ranken sich um das Mikroskop, die heute noch der Aufklärung harren. So ganz konnten wir das nicht klären. Erst viele Jahre nach dem Weltkrieg werden wieder Wasser-Immersionsobjektive angeboten. Eventuell waren Ölimmersions-Objektive in der Histologie und klinischen Diagnostik eher wirtschaftlich. Um die 1990er wurden Multi-Immersionsobjektive konstruiert, die mit Wasser, Glyzerin oder Öl funktionieren. Sie sind ein guter Kompromiss um die Abbildungsfehler der Beobachtung im Medium Wasser zu kompensieren. Die Unterschiede im Brechungsindex des Mediums, in das man hineinblickt, werden über einen Einstellring kompensiert. Heute sind Life-Cell Imaging oder Super-Resolution Microscopy eng verknüpft mit hoch-gezüchteten Wasser- oder Multi-Immersionsobjektiven höchster Auflösung und ohne sie undenkbar. Mehr noch, diese Objektive haben ganz heimlich die Beobachtung lebender Zellen revolutioniert und das Lichtmikroskop in neue Dimensionen vordringen lassen.

Als sich mir die Gelegenheit bot, ein erstes Zeiss Multi-Immersionsobjektiv gebraucht zu erwerben, begann auch für den studierten Physiker der angewandten Optik ein neues Kapitel der Recherche zur Geschichte und Technik des Mikroskops. Der Wow-Effekt kann mit einem Satz zusammen gefasst werden ohne Übertreibung: "Endlich sehe ich etwas mit dem Mikroskop!". Ohne Beschränkung der Allgemeinheit möge das obige Bild als Beleg genügen.

Literatur:
  • Blog-Artikel: Das launische Mikroskop mit Hinweisen zu Versuchen, wenn keine Wasser-Immersion zur Verfügung steht
  • Vermeulen, K. et al., 2006. Optical trap stiffness in the presence and absence of spherical aberrations. Applied Optics 45(8):1812-9.
  • S. Bradbury, 2014. Evolution of the Microscope. Elsevier.
Gruß

Thilo

KarlFriedrich
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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#2 Beitrag von KarlFriedrich » 2. Februar 2026, 10:53

Hallo Thilo,

danke für Deine Erklärung. Deinen zugehörigen Blog kannte ich schon. Es bleibt da trotzdem etwas, was ich immer noch nicht völlig verstanden habe:

Egal, ob Wasser oder Öl zwischen DG und Objektiv liegt, es gibt immer irgendwo einen Übergang zwischen zwei Medien unterschiedlicher Brechungsindizees:

Wasser zu Glas/Öl (vorausgesetzt, dass Glas und Öl den gleichen Index haben und nicht unterschieden werden müssen -- und vorausgesetzt, dass der Übergang Wasser-Glas-Wasser beim DG wegen dessen geringer Dicke bei Wasser-Immersion in Praxis vernachlässigbar ist bzw. als konstante Größe korrigierbar ist). Und nach meinem Schulwissen Optik entstehen Aberationen immer an Grenzflächen, nicht in homogenen Medien. Am Wasser an sich kann es also nicht liegen, vielleicht aber an der Varabilität der Säulenhöhe?

Ich lege mir das so zurecht: sphärische Aberation ist heute optisch korrigierbar. Jede Korrektur muss aber von einer Annahme ausgehen, wie stark die Aberation in Praxis ausfällt. Und das könnte davon abhängen, WO der Übergang liegt. Öl-Objektive setzen vom Design her voraus, dass das Objekt möglichst direkt unter dem DG liegt (wenn es schon nicht anders eingebettet sein kann). Dort entstehende Aberationen skalieren in ihren Auswirkungen mit dem langen Weg zur ersten korrigierenden Linse. Kommt eine Wassersäule dazu, verringert sich der Abstand Grenzfläche zu Linse, und die voreingestellte Korrektur passt nicht mehr. Richtig?

Die von Dir empfohlene Lösung: wir verlegen die Grenzfläche ans Objektiv, dann ist die Aberation wieder exakt berechenbar und damit korrigierbar. Richtig?

Grüße und danke für Deine Mühen,
Karl Friedrich

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paramecium
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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#3 Beitrag von paramecium » 2. Februar 2026, 13:54

Hallo Karl Friedrich,

dem Konzept der Immersion liegt die Idee zugrunde, Übergänge an Grenzflächen und damit die auftretende Brechung zu vermeiden und damit die sphärische Aberration zu verhindern. Und ja, die letzte Grenzfläche, die der Optiker noch in der Hand hat ist die dem Präparat zugewandte Fläche des Objektivs.

Aus der Liste der Brechungsindizes kann man in der Umkehr leicht ableiten für welchen Zweck die Ölimmersion konzipiert ist.
  • Luft: ca. 1,0003
  • Wasser: ca. 1,33
  • Kronglas: 1,50-1.52
  • Immersionsöl: ca. 1.518 (z.B. Zeiss Immersol)
  • Kanadabalsam: ca. 1.52-1.54
Bei der Ölimmersion ist man prinzipiell in stark brechenden Medien unterwegs: in Kunstharzen oder Kanadabalsam eingebettete Dauerpräparate, gelegentlich werden die Präparate selbst in Ölen eingebettet. Der Brechungsindex des Immersionsöls ist so gewählt, dass er dem des Glases oder des Harzes, in das das Dauerpräparat eingebettet ist, entspricht. Es ist als ob man in einen homogenen Glasklotz hinein blickt. Die Tiefe in die man im Präparat hineinschaut, wird beim Fokussieren durch Verdrängen und Verringern der Ölschicht gesteuert, während sich die Lichtwellen ab der letzten Grenzschicht des Objektivs nahezu ungestört fortpflanzen.

Bei der Wasserimmersion gibt es zwei Konzepte: a) Tauchobjektive für die Beobachtung ohne Deckglas, und b) Objektive für die Beobachtung mit Deckglas. Wir betreten hier ein Feld von High-Tech-Objektiven.

Der Fall der Tauchobjektive entspricht der Ölimmersion für eingebettete Dauerpräparate; man taucht diese direkt in die Probe. Ab der Grenzfläche des Objektivs hat man ein homogenes Medium vor sich. Tauchobjektive sind für Planktonbeobachtungen jedoch sehr unpraktisch, da man beim Fokussieren und Absuchen des Präparats in diesem "herumrührt" und die zu beobachtenden Objekte gerne zur Seite verdrängt. Sie sind eigentlich für Zellkulturen gedacht, die beispielsweise am Boden einer Petrischale anhaften.

Bei der Beobachtung mit Wasserimmersion durch ein Deckglas ist eine feste Korrektur des Deckglases in das Objektiv eingerechnet. Der Versatz, den die Lichtstrahlen hier am Deckglas nehmen, wird durch das Linsensystem des Objektivs selbst korrigiert (bei angenommender Dicke und Brechungsindex des Deckglases). Diese Objektive sind etwas aufwendiger und meist auch mit einer Einstellmöglichkeit des Linsensystems zur Anpassung an verschiedene Deckglasdicken versehen.

Einige optische Konstruktionen solcher Wasserimmersions-Objektive, sogenannte Life-Cell-Imaging (LCI) Objektive, können auch Temperaturschwankungen ausgleichen. Die Linsen und ihre Abstände in den winzigen Linsenfassung eines Mikroskopobjektivs werden sich mit der Temperatur verändern durch Wärmeausdehnung. Hierdurch entstehen in den Optiken ebenfalls temperaturabhängige Abbildungsfehler. Moderne Linsenkonstruktionen erlauben eine Kompensation der Veränderung der Umgebungstemperatur. Man kann bei solchen Wasserimmersionen über einen Einstellring festlegen, ob man bei Raumtemperatur (20-23°C) beobachtet oder temperierte Zellkulturen betrachtet, die in einer Kammer (das Mikroskop eingeschlossen) bei Körpertemperatur gehalten werden (ca. 37°C).

Der Preis für solche Wasserimmersionen ist schon exorbitant. Es gibt mithin schon solche Objektive, die sich mit Hilfe einer elektronischen Kamera selbst korrigieren.

Sobald sich Grenzflächen mit unterschiedlichen Brechungsindizes in der Schichtdicke verändern, was beim Fokussieren eines Trockenobjektivs ständig der Fall ist, sind die optischen Verhältnisse wenig beherrschbar. Trockenobjektive sind daher prinzipiell der schlechteste Kompromiss. Ein Trockenobjektiv in ähnlicher Weise zu korrigieren, so dass beim Fokussieren variable Luftsäule und Wassersäule optisch ausgeglichen würden, ginge in der Theorie sicherlich irgendwie. Viele Grenzschichten mit unterschiedlichem Brechungsindex. Abgesehen von zu erlernenden Fähigkeiten des Beobachters, einen Korrektionsring während des Fokussierens genau zu verstellen. Kaum vorstellbar, dass ein solches selbst korrigierendes Trocken-Objektiv günstiger herzustellen wäre.

Viele Grüße

Thilo

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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#4 Beitrag von SNoK » 2. Februar 2026, 23:31

Lieber Tilo, lieber Karl Friedrich,

wie Erich Kästner schon sagte, „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Theorie hin oder her, ich erziele sehr gute Ergebnisse mit Öl-Immersion und nicht genormtem Deckgläser. Und andere Mikroskopiker auch. Mein Lieblingsobjektiv ist ein PlanApo 40x Öl von Leica (am Leica DMRB). Aber auch mein 100x Öl, Plan Fluotar ergibt super Ergebnisse. And zwischen den beiden habe ich noch das 63x PlanApo Öl mit ebenfalls sehr guten Ergebnissen. Da ich keinen Wechselrevolver habe und super Bilder mache, denke ich über Wasserimmersion nicht so sehr nach. An meinem alten Lomo habe ich Wasserimmersionsobjektive, aber das mit dem Leica DMRB zu vergleichen, verbietet sich.

Grüße
Stephan
Zuletzt geändert von SNoK am 5. Februar 2026, 09:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#5 Beitrag von KarlFriedrich » 3. Februar 2026, 10:16

Danke, Stephan und Thilo!

Als (Wieder-)Anfänger und mit "nur" einem Motic als Trägersystem scheue ich mich gegenwärtig, schon jetzt in Fluar oder Apo zu investieren. Ich glaube, ich sollte erst einmal mein Plan-Achromat 100 Oil besser in Griff kriegen und Erfahrungen sammeln. Bislang kommen auf einen befriedigenden (aber nicht perfekten) Versuch zahlreiche enttäuschende Anläufe.

Ich hab aus Neugier mal das Öl-Objektiv mit Wasser-Immersion eingesetzt bei hoher Wassersäule im Präparat. Das Ergebnis war nicht besser als mit Öl beim gleichen Präparat, aber auch nicht wirklich schlechter.

Grüße
Karl Friedrich

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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#6 Beitrag von paramecium » 3. Februar 2026, 18:08

Hallo Stephan,

diese Aussage überrascht mich.
SNoK hat geschrieben:
2. Februar 2026, 23:31
Kein Lieblingsobjektiv ist ein PlanApo 40x Öl von Leica (am Leica DMRB).
Warum ist es nicht Dein Lieblingsobjektiv? Kannst Du das näher beschreiben? Funktioniert das Objektiv mit eingedeckten Dauerpräparaten besser?

Viele Grüße

Thilo

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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#7 Beitrag von SNoK » 5. Februar 2026, 09:17

Oje Tilo, ein Tippfehler, den ich gleich korrigiert habe. Es soll natürlich heißen „Mein Lieblingsobjektiv“. Das 40x PlanApo Öl ist unheimlich lichtstark und brilliant. Oft habe ich aber Organismen, die dann noch zu klein abgebildet werden. Dann gehe ich - und das ist nicht selten - auf das 63x Öl oder das 100x Öl.

Grüße
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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#8 Beitrag von paramecium » 5. Februar 2026, 15:35

Hallo Stephan,

Siegmund Freud lässt grüßen. Du wolltest eben genau das schreiben, was einem Freund auch schon einmal aufgefallen war. :-)
SNoK hat geschrieben:
5. Februar 2026, 09:17
Oft habe ich aber Organismen, die dann noch zu klein abgebildet werden. Dann gehe ich - und das ist nicht selten - auf das 63x Öl oder das 100x Öl.
Hierzu eine Anekdote: Ein Freund hatte vor einigen Jahren einen seltenen, hochauflösenden Kondensor ergattert und mit mir an einem Zeiss Stativ getestet. Dieser ist für die hochauflösenden Objektive mit NA>0,9 gedacht. Um solche Objektive auch auszureizen, muss auch der Kondensor immergiert werden, um das Objektiv voll auszuleuchten. Meistens ist es ja so, dass ein einfacher Trockenkondensor mit NA=0.9 mit einem Objektiv 63x/1,4 o.ä. genutzt wird. Hier wird die hohe Auflösung des Objektivs so gar nicht ausgereizt und das Bild wird lediglich so gezeichnet, als hätte das Objektiv lediglich eine Apertur NA=0,9. Als wir dann sein Öl-Objektiv 63x/1,4 einschwenkten und ein Präparat mit Kieselalgen ölten, ich den Kondensor einrichtete und die Irisblende aufzog, meinte mein Freund dann, das Bild sei enttäuschend "kontrastarm". Er würde nun nichts mehr erkennen. In Wahrheit zeichnete das Objektiv jedoch zum ersten mal Kieselalgen bis ins letzte Detail, die dem ungeübten Auge jedoch erst auf Fotos mit der Pixellupe wieder auffallen. Die groben Strukturen, an denen sich sein Auge gewohnt orientierte, weil er obendrein nach Lehrbuch den Kondensor auf 70% der vollen Öffnung zuzog, waren verschwunden. Eine ähnliche Bemerkung erhielt ich vor Jahren mal von Angie auf ein sehr detailreiches Foto von einer Alge. Für Beobachter, die mit weniger gut auflösenden Objektiven unterwegs sind, wirken solche Abbildungen so ungewohnt, dass sogar die Bestimmung erschwert erscheint. Mir geht es inzwischen anders herum. Es fällt sofort auf, wenn vergessen wurde, denn Kondensor zu immergieren oder die Kondensorblende zugezogen ist. Dann sehe ich "nichts mehr".

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, was auch auf den Umgang mit der Auflösung des Mikroskops zutrifft.

Viele Grüße

Thilo

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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#9 Beitrag von SNoK » 7. Februar 2026, 19:38

Meistens ist es ja so, dass ein einfacher Trockenkondensor mit NA=0.9 mit einem Objektiv 63x/1,4 o.ä. genutzt wird. Hier wird die hohe Auflösung des Objektivs so gar nicht ausgereizt und das Bild wird lediglich so gezeichnet, als hätte das Objektiv lediglich eine Apertur NA=0,9.
Ein Objetiv mit NA 1,4 hat am 0,9 NA Kondensor rechnerisch mehr als 0,9. Zwar sind es nicht die vollen 1,4, aber mehr als die 0,9.

Stephan
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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#10 Beitrag von paramecium » 9. Februar 2026, 22:01

Hallo Stephan,
SNoK hat geschrieben:
7. Februar 2026, 19:38
Ein Objetiv mit NA 1,4 hat am 0,9 NA Kondensor rechnerisch mehr als 0,9. Zwar sind es nicht die vollen 1,4, aber mehr als die 0,9.
Diese seltsame Rechnung mit der Verrechnung zweier Aperturen von Kondensor und Objektiv, die auch in der Wiki Eingang fand, habe ich schon hie und da gelesen.

Ich halte nichts davon und neige zu behaupten, sie ist falsch.

Im Falle einer größeren Apertur des Objektivs gegenüber dem Kondensor ergibt sich im Durchlicht das praktische Problem, dass Beiträge gestreuten Lichts, das die abgedunkelten Bereiche der Austrittpupille passiert, viel schwächer sind, als der Beitrag des Lichts, das die Apertur direkt ausleuchtet. Diese Kontrastunterschiede sind derart groß, dass man mit einer Digitalkamera die Lichtverhältnisse in der Aperturebene (Austrittspupille) des Objektivs kaum darstellen kann. Mit anderen Worten: Der Helligkeitsunterschied ist zu groß, um einen sinnvollen Beitrag zur Auflösung des Bildes zu liefern oder der einfachen Rechnung zu entsprechen. Bereits im Phasenkontrast ergibt sich das Problem, dass eine Interferenzbedingung nur für das (wenige) Streulichts selbst zu diesem Kontrast führt. Bei schlecht eingestellter Phasenblende verschwindet der Kontrast rasch.

Es gibt verschiedene Versuche in der Fachliteratur, etwa Amplitudenmodulation in der Pupille des Objektivs zur Auflösungssteigerung. Problematisch ist der Zusammenhang zwischen Kontrast und Auflösung bzw. der räumlichen Beugungsfigur. Der von Abbe betrachtete Fall ist streng genommen bereits ein Sonderfall, dessen Randbedingung meist ignoriert wird. Abbe betrachtet nämlich ein flaches Beugungsgitter ohne räumliche Ausdehnung (keine Tiefe). In der Erfüllung dieser Bedingung liegt auch der Schlüssel zu hoher Auflösung. Diese Bedingung ist beim Durchlicht-Mikroskop für unseren Fall optisch dicker (Phasen-) Objekte bereits nicht mehr erfüllt. Deswegen macht es auch wenig Sinn über die zitierte Milchmädchenrechnung zu debattieren (gehört m.E.n. in den Bereich der Esoterik).

Super-Resolution ist aktuell nur für die Fluoreszenz-Mikroskopie möglich. Die hier zugrunde liegende Idee ist die Herstellung einer (super-) dünn beleuchteten Fläche, um diese meist unterschlagene Abbe-Bedingung herzustellen. Nur so lässt sich bei bekannter Beugungsfigur im Rechner mit Bild-Entfaltung ein überschärftes Bild synthetisieren. Die Möglichkeit dieser Technik wurde bereits in den 1990er Jahren für das astronomische Fernrohr beschrieben, bei dem sich naturgemäß eine dünne Bildebene ergibt, da die Objekte unendlich weit entfernt sind und somit die Beugung in der Fokus keine räumliche Komponenten enthält, die von der betrachteten Entfernung der Lichtquelle abhängt. Beim (Weitfeld-) Fluoreszenzmikroskop hat man zunächst das praktische Problem, dass betrachtete (selbstleuchtende) Objekte ebenfalls eine räumliche Tiefe besitzen, weswegen man mit allerlei Tricks arbeiten muss um ein Lichtscheiben-Mikroskop herzustellen, das die Bedingung eines optisch dünnen (selbstleuchtenden) Objekts herstellt und den Einfluss von Interferenzen durch räumliche Tiefe des Objekts auszuschalten. Zudem sind die fluoreszierenden Lichtquellen im Präparat inkohärent, d.h. sie interferieren nicht miteinander - im Gegensatz zur Bildentstehung im Durchlicht. Daher muss die Auflösung beim Fluoreszenzmikroskop anders betrachtet werden (u.a. deswegen funktioniert Super-Resolution bei der Fluoreszenzmikroskopie).

Grundsätzlich gilt für alle physikalischen Auflösungsformeln in der Optik, dass man sich die Randbedingungen ansehen muss, für die sie gelten.

Das Durchlichtverfahren ist das komplizierteste aller, eingeschlossen dem DIK oder der schiefen Beleuchtung. Nicht nur das optisch dicke Objekt bereitet Probleme in der Diskussion. Auch die Interferenz in der Brennebene besitzt eine räumliche Intensitätsverteilung. Nicht zuletzt gelten die Formeln streng genommen nur für die perfekte Optik.

Gruß

Thilo

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Re: Welches Objektiv für Planktonproben?

#11 Beitrag von SNoK » 18. Februar 2026, 16:31

Ich kenne die Rechnung, 0,9 Kondensor + 1,3 Immersionsobjektiv = 2,2 / 2 = 1,1 Apertur. Ist mir aber auch wurscht, solange ich gute Bilder machen kann, und mit den hochaperturigen Objektiven kann ich das.

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