Kondensor 1,4 für das Zeiss AxioLab.A1 (Ph und DIC)

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paramecium
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Kondensor 1,4 für das Zeiss AxioLab.A1 (Ph und DIC)

#1 Beitrag von paramecium » 27. Januar 2019, 01:06

Liebe Tümpler!

Nein, der Titel ist kein Schreibfehler! Es gibt ihn, den Kondensor mit numerischer Apertur 1,4 am Zeiss Axio Lab.A1.

Zusammenfassung
Dieser kurze Artikel beschreibt die Lösung, wie man auch mit dem modernen Axio Lab.A1 in den Genuss hoch-aperturiger Objektive bis zur numerischen Apertur 1,4 kommt. Passende Kondensoren findet man für die älteren Baureihen Axioskop bzw. Axioplan oder Axiophot. Hier soll die Adaption des Zeiss Kondensors 1,4 Ph/DIC mit der Nummer 44 54 82 für das moderne Axio Lab.A1 FL-LED Fluoreszenzmikroskop beschrieben werden.

Adaption
Natürlich benötigt man für Fluoreszenz am Axio Lab.A1 FL-LED keinen neuen Kondensor. Auch nicht für den Phasenkontrast. In beiden Fällen genügt der einfache Serien Kondensor 0,9/1,2 um die volle Auflösung jedes passenden Objektivs zu erreichen. Im Phasenkontrast werden die abgelenkten Strahlen erst im Objektiv vereint, so dass nur dieses geölt werden muss, um die volle Auflösung zu erhalten. Bis zum Multi-Immersionobjektiv 40x/0,9 benötigt man den Kondensor 1,4 auch für Hellfeld nicht.

Die Lücke muss jedoch geschlossen werden für Beobachtungen im Hellfeld mit Objektiven einer Apertur >NA=0,9, etwa mit einem Plan-Neofluar 100x/1,3 oder einem Objektiv 63x/1,4. Im Hellfeld müssen sowohl das Objektiv, als auch der Kondensor geölt werden, um die Öffnung des Objektivs voll auszuleuchten. Erst dann erzielt man mit dem Objektiv die volle Auflösung.

Die Adaption des genannten Kondensors muss zwei Probleme lösen: (1) Die Anpassung des Durchmessers der Ringschwalbe und (2) der Ausgleich der Höhendifferenz, also der optischen Abgleichlänge des Kondensors. Von Zeiss gibt es bis heute einen passenden Adapter für die Verwendung der älteren Kondensoren des frühen Axioskop (Unendlich) an den größeren Stativserien des Axioplan oder Axiophot. Dieser Adapter hat die Teilenummer 445462. Mit diesem Adapter kann der oben genannte Kondensor nun problemlos im Axio Lab.A1 eingebaut werden. Die Ringschwalbe des Axio Lab.A1 hat prinzipiell den gleichen Durchmesser, wie die Serien Axioplan und Axiophot. Leider hat die Sache einen Haken, denn das Axio Lab.A1 hat wieder einmal eine andere Abgleichlänge, als die Kondensoren der älteren Axioplan und Axiophot Systeme. Zum Höhenausgleich muss man erstens die Schraube des Kondensoranschlag entfernen (siehe Anleitung des AxioLab). Nun fehlen jedoch noch weitere 3-5 mm, um den Kondensor bis zur Unterseite des Objektträgers zu fahren. Die Lösung ist in meinem Falle primitiv gelöst, nämlich mit zwei passenden Gummidichtringen als Abstandshalter aus dem Baumarkt. Die Abstandsringe werden zwischen Kondensor und Adapter gelegt, der Kondensor mit den Inbusschrauben am Adapter stabil fixiert. Fertig! Nun kann der Kondensor im Axio Lab.A1 eingebaut werden. Beim Wechsel des Kondensor immer auf die Frontlinse achten, damit diese nicht beschädigt wird.

Test
Als Testobjekt habe ich mir einen besonders kleinen Ciliaten ausgesucht, den wir hier inzwischen kultivieren und aktuell noch bestimmen: Tetrahymena spec. Der um 50µm kleine Ciliat wird bestimmt auch anhand der winzigen Austrittsporen der kontraktilen Vakuole. Deren Beobachtung erfordert sowohl hohe Auflösung, als auch ausreichenden Kontrast der Abbildung. Nach dem Austausch des Serien-Kondensors gegen den adaptierten Kondensor 1,4 wird nun dessen Frontlinse geölt und vorsichtig gegen die Unterseite des Präparats gefahren. Nun wird das Plan-Neofluar 100/1,30 ebenfalls geölt, ein Objekt eingestellt (z.B. Bakterienrasen) und der Kondensor geköhlert. Wer mit der Justage eines geölten Kondensors nicht vertraut ist: Man setzt das Phasenkontrast-Einstellfernrohr auf und beobachtet die rückseitige Austrittsblende (Pupille) des Objektivs. Man achte darauf, dass die Austrittspupille des Objektivs gleichmäßig und zentrisch ausgeleuchtet wird. Das Ziel wird erreicht indem man den Kondensor vorsichtig hochfährt, bis das Objektiv vollständig ausgeleuchtet ist. Gelingt dies nicht, ist zu überprüfen, ob Luftblasen im Öl vorhanden sind oder der Kondensor anderweitig dejustiert oder dezentriert ist. Luftblasen im Öl oder ein unvollständiger Kontakt können mancherlei Probleme bis hin zu streifigen Mustern im Bild erzeugen.

Zwar verfügt der Kondensor auch über zwei DIC Prismen, die Testaufnahme wurde jedoch nicht im DIC sondern traditionell mit der schiefen Beleuchtung gewonnen.

Fazit
Der Umbau ist problemlos und schließt eine schmerzliche Lücke, die Zeiss bei seinen modernen Mikroskopen gelassen hat: Ein Immersions-Kondensor 1,4 für das Axio Lab.A1 fehlt im Lieferprogramm. Es ist unverständlich, warum die Firma solche Kondensoren nicht im Programm hat. Die Adaption älterer Kondensoren ist jedoch möglich. Ein Umstieg auf die modernen Unendlich Mikroskope und Umbau des Kondensors lohnt allemal, zumal die modernen Objektive (vor allem die Serien mit M27 Gewinde) früheren Mikroskopserien überlegen sind. Ob auch Kondensoren älterer Endlich-Mikroskope (Zeiss Standard) auf diese Weise passen, habe ich (noch) nicht geprüft. Die Kondensoren 1,4 der älteren Unendlich-Baureihen haben einen leicht zu verschmerzenden Nachteil: Für Objektive mit Vergrößerungen unter 20x muss die Frontlinse umständlich abgeschraubt werden. Am Axio Lab.A1 ist das einfach zu lösen, indem man wieder zum Serien-Kondensor wechselt, um ohne Einschränkung mit Objektiven bis Apertur 0,9 zu beobachten. Die Bestimmung des Ciliaten wurde möglich durch die Darstellung der Austrittsporen der pulsierenden Vakuole.

Viele Grüße und viel Freude beim Nachbauen!

Thilo

Abbildung: Tetrahymena spec. ist eine Gattung recht kleiner Arten von Ciliaten (Wimpertieren) und dementsprechend schwer zu bestimmen. Hier abgebildet mit einem Plan-Neofluar 100/1,3 ganz klassisch in schiefer Beleuchtung. Zwei bis drei(?) Poren der kontraktilen Vakuole sind nach dem Kondensorumbau bei den meisten Individuen in den Originalaufnahmen problemlos zu erkennen. Bei einem Exemplar sind hier auch die Zulaufvesikel der kontraktilen Vakuole zu erkennen (welche denen einiger Paramecium Arten recht ähnlich sind). Erst der verwendete Kondensor 1,4 ermöglichte es mir diese Details darzustellen.

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eMail: paramecium@microinformatics.net [Thilo Bauer]

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