Dinobryon sertularia

Rotalgen, Cryptomonaden, Dinoflagellaten, Lassoalgen und Gelbalgen (ohne Kieselalgen)
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SNoK
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Dinobryon sertularia

#1 Beitrag von SNoK » 30. März 2023, 21:17

Liebe Tümplerinnen und Tümpler,

im Frühjahr findet man in Tümpel viele Goldalgen, u. a. Synura, Mallomonas und Dinobryon. Auch wenn Dinobryon schon oft gezeigt wurde, zeige ich diesen schönen Organismus einmal mehr nach dem Motto, "alle Jahre wieder".

Die Zellen von Dinobryon sitzen in einem durchsichtigen Kelch, der Lorica. Die Form dieser Lorica, sowie ihre Größe und einige andere Merkmale, helfen bei der Bestimmung. Ich habe mich nach dem Band XVI, Teil 2, 1. Hälfte von Huber-Pestalozzi (1941/1962) für D. sertularia entschieden.

Bei mir waren die Kelche der verschiedenen Organismen zwischen 40 und 45 µm lang, und 12 bis 14 µm breit.

Die Zellen verfügen über zwei Chromatophoren, auf einem davon sitzt ein Augenfleck. Jede Zelle hat zwei Geißeln, eine längere und eine kürzere. Oft sitzen die kleinen Kolonien auf einer Detritusflocke, aber sie schwimmen auch frei im Wasser mit Hilfe dieser Geißeln.

Mittig sind kontraktile Vakuolen zu sehen, aber wo die liegen ist artspezifisch. Der Protoplast ist mit einem kontraktilen Faden im Kelch befestigt.

Die Teilung erfolgt im Kelch. Ein Protoplast bleibt in der Mutterzelle und behält den Augenfleck. Der andere sitzt bei der Teilung an der Wand des Kelches und bildet einen neuen Chromatophoren mit Augenfleck und einen neuen Kelch. Deswegen sitzt dieser neue Kelch an der einen Wand des alten Kelches. So bilden sich die Bäumchen.

Dinobryon kann bei ungünstigen Bedingugen Cysten bilden, die rund sind und einen kleinen Porus haben, der mit einem "Stöpsel" verschlossen ist.

Die Ernährung von Dinobryon ist mixotroph. Sie können also sowohl Fotosynthese betreiben als auch Bakterien einstrudeln. Versuche mit Abdunklung der Chromatophoen haben aber ergeben, dass sie von Bakterien allein nicht leben können.

Dass man Goldalgen im Frühjahr so häufig findet, und erst später z. B. die chlorphyllhaltigen Augentierchen, mag daran liegen, dass ihre fotosynthetischen Stoffe besser an die Lichtverhältnisse im Frühjahr angepasst sind, und auch die mixotrophe Ernährungsweise ihnen hilft, wie auch vielleicht die Temperaturtoleranz gegenüber den Frühjahrstemperaturen. Das ist aber nur eine Idee von mir.

Anbei ein paar Bilder mit Beschriftung der Merkmale, die ich hier genannt habe.

Viel Spaß beim Anschauen,
Stephan


AT Dinobryon sertularia 01B - 40-45x12-14µm.jpg
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Uli, wejo
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Mikroskope: Leica DMRB mit Plan Fluotar und PlanApo, Leitz Dialux mit NPl
Stemi: Zeiss Stemi 508, Wild-Heerbrugg M5
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