Osterglocken --> Dinobryon sp.

Rotalgen, Cryptomonaden, Dinoflagellaten, Lassoalgen und Gelbalgen (ohne Kieselalgen)
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Nostoc
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Osterglocken --> Dinobryon sp.

#1 Beitrag von Nostoc » 24. März 2016, 15:23

Liebe Tümpler,

bei dem kalten Wetter verbunden mit dem frühen Ostertermin sind blühende Osterglocken derzeit bei uns rar.
Erfreulicher Weise ist das Plankton einen Schritt weiter und bietet einen passenden Ersatz en miniature.

Bild

(Dinobryon sp., aus einem "Toteiskessel" bei Haag in OBB.)

Vielleicht hat jemand zusätzliche Informationen zur genaueren taxonomischen Einordnung meines Fundes ?
(Ggf. bitte ich auch darum, meinen Beitrag der richtigen "Forenschublade" zuzuordnen (Chrysophyceae, Chrysophyta))


Beste Grüße


Richard

Edit: Betreff angepasst.

Ole
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Re: Osterglocken

#2 Beitrag von Ole » 24. März 2016, 20:42

Hallo Richard,

immer wieder schön, diese zarten Plankter. Eine sehr gute DIK-Abbildung (wenn auch - für meine Empfinden - etwas zu kontrastreich). Zur taxonomischen Einordnung unterhalb des Gattungs-Niveaus kann ich nichts beitragen.

Kannst Du noch etwas zur Technik schreiben?

Besten Dank und viele Grüße

Ole

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Re: Osterglocken

#3 Beitrag von Nostoc » 25. März 2016, 20:48

Hallo Ole,
dein „Feedback“ freut mich besonders, da mir einerseits die Qualität deiner Mikrobilder sehr gut gefällt und andererseits beim Pillerseetreffen u.U. die Möglichkeit besteht, das Thema „Bildqualität“ weiter zu vertiefen !

Zu Deiner Frage:
- PZO Biolar mit DIC nach Pluta, Eigenbau-Blitz
- Zeiss Objektiv (Plan-Apo 40x/1.0)
- Canon Spiegelreflex 6D adaptiert über Projektiv 4x von PZO

Den von dir zu Recht kritisierten „harten“ Schatten führe ich u.v.a. auf die sehr ungünstige Lage des Objektes unmittelbar am Deckglasrand zurück. Meine DIC-Einrichtung reagiert leider sehr stark auf geringste Variationen der Schichtdickte, die exakte Höheneinstellung des Kondensors, die vertikale bzw. horizontale Position des Prismas, die Immergierung des Kondensors usw.. Zudem hängt die Bildqualität bei DIC-Aufnahmen auch von einer „günstigen“ Orientierung des Objektes ab, was im Zweifelsfall den Einsatz eines Drehtisches nach sich ziehen würde.
Persönlich bevorzuge ich ebenfalls eine deutlich weichere Gradation der Bilder, aber nach meiner Erfahrung werden „knackige“ Aufnahmen im Internet wegen der scheinbar besseren „Schärfe“ und „Deutlichkeit“ leider oft bevorzugt.
Anbei eine andere Bearbeitungsversion der „Dino-Osterglocken“:

Bild

Ohne zusätzliche „Trickserei“ ist das Bild nicht „weichzuklopfen“.

Folgende winzige, „einzellige“ Dinobryon-Spezies habe ich mit einem 100x Objektiv von Leitz aufgenommen:

Bild

Beste Grüße

Richard

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Re: Osterglocken

#4 Beitrag von Ole » 26. März 2016, 20:09

Hallo Richard,

vielen Dank für Deine ergänzenden Kommentare und Erläuterungen. Dein DIK-System (das ich selbst nie benutzt habe) bietet offenbar den beneidenswerten Vorteil, unterschiedliche Objektive gradientenfrei zu akeptieren - so auch das wunderbare Zeiss Plan Apo 40/1,0. Das ist bei meinem Zeiss Standard-System nicht so. Hier hat man immer mit mehr oder weniger starken Gradienten zu kämpfen, wenn man andere Objektive als die von Zeiss vorgesehen verwendet.

Ich habe die beiden Plan Achromaten 16 und 40 mit den entsprechenden Schiebern, die okay sind, aber eben doch nur Plan Achromaten mit Aperturen 0,35 bzw. 0,65. Wirklich bemerkenswert ist der DIK mit dem Plan Neofluar 25/0,80, aber dann ist man automatisch im Öl (der Plan Apo 63/1,4 mit DIK ist über jeden Zweifel erhaben, aber bei Tümpelproben kaum einsetzbar).

Ich freue mich auf ein Kennenlernen am Pillersee, auch wenn ich leider nur 3 Tage dabei sein kann.

Beste Grüße

Ole

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Re: Osterglocken

#5 Beitrag von Monsti » 27. März 2016, 18:32

Lieber Richard,

dass die von Dir gezeigte Einzelzelle zum Schluss Dinobryon ist, glaube ich nicht. Das halte ich eher für Epipyxis sp.

Viele Grüße
Angie

P.S. Mir gefällt das erste Dinobryon-Foto übrigens besser als das zweite. Da kann man mal wieder sehen, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind ...
Der das Kleine in Ehren hält, ist des Großen umso würdiger. (Sprichwort)

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Re: Osterglocken

#6 Beitrag von Nostoc » 29. März 2016, 08:21

Liebe Angie,

leider neigen Goldalgen (Dinobryon) nach meiner Beobachtung zur Fragmentation ("einzellig") und sind leicht deformierbar.
Einigen wir uns in dem Fall auf "Goldalgen sp." :roll: , da ich von diesem Objekt ohnehin nur diese eine Aufnahme besitze......

Ich stimme Dir zu, "Dinobryon" liefert je nach eingesetzter Technik stark unterschiedliche Bildeindrücke:
=> http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=16114.0 (Interphako)

Viele Grüße



Richard

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Re: Osterglocken

#7 Beitrag von Nostoc » 29. März 2016, 09:04

Hallo Ole,
in der Tat, der PZO-DIC ist sehr flexibel und liefert mit einigen Objektiven brauchbare Resultate. Aber dieses System
wurde ähnlich wie das Interphako-Verfahren von CZJ nicht unbedingt für die Planktonmikroskopie konzipiert und
reagiert deshalb sehr "sensibel" auf die Einhaltung einiger Parameter. Durch einen technischen Umbau und die Nutzung von
Fremdobjektiven kann man die Bildqualität verbessern, aber die Bildresultate moderner Einrichtungen (Nikon, Olympus, Zeiss ....)
spielen in einer anderen Liga, leider auch preislich :oops: ..............
Kompliment, deine Aufnahmen mit dem Plan-Neo 25x sind wirklich bemerkenswert !!!!! :wicked_001:
Das vielgepriesene Plan-Apo 63x weist nach Auskunft des Herstellers eine "Streuung" hinsichtlich seiner Eignung für DIK Aufnahmen auf.
Offenbar war es damals nicht möglich, derart hochgezüchtete Objektive in Serie "spannungsfrei" zu fertigen, was im
Einzelfall zu einer Kontrastverminderung ("Aufhellung") bei polarisationsoptischen Kontrastverfahren wie DIK führt.
Das 63x Plan-Neo bzw. das 63x Neofluar (letzteres mit aberwitzig großem Arbeitsabstand !) sind bei der Tümpelei u.U. die bessere Wahl.

Auch ich freue mich schon auf das Pillerseetreffen!

Bis bald


Richard

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Re: Osterglocken

#8 Beitrag von Ole » 29. März 2016, 15:50

Lieber Richard,

Deine Fotos dieser schönen, zierlichen Goldalge haben mich inspiriert, über Ostern auch zum ersten Mal dieses Jahr wieder Plankton fischen zu gehen. Dabei habe ich auch Dinobryon gefunden. Zur Ergänzung unseres Erfahrungsaustausches hier noch meine aktuellen Fotos - einmal mit dem Zeiss Neofluar 40/0,75 im Phasenkontrast und einmal im DIK mit dem Plan Neofluar Öl 25/0,80. Beim Phako-Bild ist der Photoshop-Einsatz schon erheblicher gewesen (Entfernen von Dreckpartikeln, Tonwertkorrektur, Kontrastbearbeitung etc.). Aber gerade dieser Blauton als Hintergrund (der beim direkten Durchschauen nicht so intensiv war) gefällt mir sehr. Ich habe "Tonwertkorrektur automatisch" gewählt - damit kam ich in diese Richtung, die ich dann noch minimal justiert habe.

Pardon, dass ich Deinen Faden ergänze - ich kann die Bilder auch jederzeit entfernen oder separat einstellen. Aber es passt gerade thematisch so gut.

Viele Grüße

Ole

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Re: Osterglocken --> Dinobryon sp.

#9 Beitrag von Nostoc » 29. März 2016, 17:15

Hallo Ole,

beide Bilder sind einfach "spitze" !!!!!!!!!! :wicked_001:

Vielen Dank für diese wunderbare Ergänzung !!!!

Erstaunlich, welches Ergebnis Du auch mit dem vergleichsweise "simplen" Neofluar erzielt hast.


Begeisterte Grüße




Richard

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Re: Osterglocken --> Dinobryon sp.

#10 Beitrag von SNoK » 5. April 2021, 15:41

Wo doch gerade wieder Ostern ist, gestern habe ich auch ein paar Osterglocken im Hintertaunus gefunden.

Stephan
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Stereomikroskop: MBS 10
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Vorstellung: https://mikro-tuemplerforum.at/viewtopic.php?f=32&t=831

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