diesen Ciliaten (ca. 75 µm lang) finde ich in meinen Proben sehr häufig, komme jedoch mit der Bestimmung einfach nicht weiter. Bei Kahl finden sich zu wenige Hinweise, die Erscheinung hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Ob die Art bei Kahl oder Foissner in dieser Form beschrieben ist, bezweifle ich inzwischen.
Die orale Öffnung und Wimpernfeld könnten auf Glaucoma hinweisen, dagegen spricht jedoch der ovoide Macronucleus (Ma). Der Macronucleus ist, wie hier gezeigt, eher wurstförmig und etwa zwei- bis dreimal so lang, wie breit, jedoch nie kugelig. Nach Foissner et al. (1999) könnte es sich ebenfalls um Disematostoma buetschlii handeln. Gegen diese Identifikation spricht jedoch die stets eher elliptische als ovoide, d.h. eiförmig auf einer Seite spitz zulaufende Form sowie die zu geringe Größe. Der Ciliat ist schwimmend praktisch kreisrund in y-z, und oval in der x-Achse. Der Ciliat hat eine kontraktile Vakuole (cV), für welche ich bislang nicht beobachten konnte, dass sie die für Glaucoma spec. gezeichneten Kanäle hat (Abb. Kahl, 1931, S. 331), die auch für Paramecium typisch sind.
Ein weiteres Indiz, welches irritiert: Das Mundfeld zeigt, wie gelegentlich für Glaucoma beschrieben, ein Öffnen und gelegentlich kurzzeitiges Schließen (M. Plewka). Ich habe fast den Eindruck, es ist eine Kreuzung aus beiden, Glaucoma und Disematostoma mit einigen Widersprüchen, wenn man sie auf eine der Arten eingrenzen wollte. Für Disematostoma buetschlii ist die Art wiederum defnitiv zu klein. Für Disematostoma minor fehlt ebenfalls das eiförmig, spitz zulaufende Ende. Auch erscheinen mir die Cilien für Disematostoma zu lang gemessen an den Zeichnungen bei Kahl und Foissner.
Vorsorglich bitte ich um Entschuldigung, da ich nur mit Hellfeldaufnahmen dienen kann. Ich hoffe, die Aufnahmen lassen einigermaßen erkennen, wie ciliäre Struktur und Mundfeld aussehen.
Die unten angefügte Fluoreszenzaufnahme (Doppelfärbung Acridinorange-Hoechst 33342) zeigt einige kleinere blau gefärbte Strukturen, die man irrtümlich für Micronuclei halten könnte. Frühere gewonnene Videoaufnahmen deuten jedoch eher darauf hin, dass lediglich ein Macronucleus (blau) vorhanden ist und es sich bei den kleinen blau gefärbten Strukturen wohl eher um Phagosome handelt, die mit Bakterien DNA oder gefressenen Hefen gefüllt sind. Dies ist in den Proben eher typisch für die Bakterien und Protisten fressenden Ciliaten. Meist leuchten hier die Phagosome auch heller, welche aufgeschlossene halb verdaute DNA beinhalten, welche leichter zu färben ist, während die eigentlichen Kerne meist schlechter gefärbt erscheinen.
Gruß
Thilo



