Frontonia spec.

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paramecium
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Frontonia spec.

#1 Beitrag von paramecium » 7. November 2016, 22:23

Hallo,

diesen Ciliaten (ca. 75 µm lang) finde ich in meinen Proben sehr häufig, komme jedoch mit der Bestimmung einfach nicht weiter. Bei Kahl finden sich zu wenige Hinweise, die Erscheinung hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Ob die Art bei Kahl oder Foissner in dieser Form beschrieben ist, bezweifle ich inzwischen.

Die orale Öffnung und Wimpernfeld könnten auf Glaucoma hinweisen, dagegen spricht jedoch der ovoide Macronucleus (Ma). Der Macronucleus ist, wie hier gezeigt, eher wurstförmig und etwa zwei- bis dreimal so lang, wie breit, jedoch nie kugelig. Nach Foissner et al. (1999) könnte es sich ebenfalls um Disematostoma buetschlii handeln. Gegen diese Identifikation spricht jedoch die stets eher elliptische als ovoide, d.h. eiförmig auf einer Seite spitz zulaufende Form sowie die zu geringe Größe. Der Ciliat ist schwimmend praktisch kreisrund in y-z, und oval in der x-Achse. Der Ciliat hat eine kontraktile Vakuole (cV), für welche ich bislang nicht beobachten konnte, dass sie die für Glaucoma spec. gezeichneten Kanäle hat (Abb. Kahl, 1931, S. 331), die auch für Paramecium typisch sind.

Ein weiteres Indiz, welches irritiert: Das Mundfeld zeigt, wie gelegentlich für Glaucoma beschrieben, ein Öffnen und gelegentlich kurzzeitiges Schließen (M. Plewka). Ich habe fast den Eindruck, es ist eine Kreuzung aus beiden, Glaucoma und Disematostoma mit einigen Widersprüchen, wenn man sie auf eine der Arten eingrenzen wollte. Für Disematostoma buetschlii ist die Art wiederum defnitiv zu klein. Für Disematostoma minor fehlt ebenfalls das eiförmig, spitz zulaufende Ende. Auch erscheinen mir die Cilien für Disematostoma zu lang gemessen an den Zeichnungen bei Kahl und Foissner.

Vorsorglich bitte ich um Entschuldigung, da ich nur mit Hellfeldaufnahmen dienen kann. Ich hoffe, die Aufnahmen lassen einigermaßen erkennen, wie ciliäre Struktur und Mundfeld aussehen.

Die unten angefügte Fluoreszenzaufnahme (Doppelfärbung Acridinorange-Hoechst 33342) zeigt einige kleinere blau gefärbte Strukturen, die man irrtümlich für Micronuclei halten könnte. Frühere gewonnene Videoaufnahmen deuten jedoch eher darauf hin, dass lediglich ein Macronucleus (blau) vorhanden ist und es sich bei den kleinen blau gefärbten Strukturen wohl eher um Phagosome handelt, die mit Bakterien DNA oder gefressenen Hefen gefüllt sind. Dies ist in den Proben eher typisch für die Bakterien und Protisten fressenden Ciliaten. Meist leuchten hier die Phagosome auch heller, welche aufgeschlossene halb verdaute DNA beinhalten, welche leichter zu färben ist, während die eigentlichen Kerne meist schlechter gefärbt erscheinen.

Gruß

Thilo

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Zuletzt geändert von paramecium am 13. November 2016, 22:00, insgesamt 1-mal geändert.

MartinKreutz
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Re: Disematostoma oder Glaucoma? Beides fraglich...

#2 Beitrag von MartinKreutz » 8. November 2016, 21:39

Hallo Thilo,

um diese Zuordnung zu Ende zu bringen, benötigst Du weitere Detailaufnahmen! Insbesondere der Mundregion. Ich glaube nicht, dass es sich um Glaucoma handelt, da bei dieser Gattung die Mundöffnung leicht schräg angeordnet ist. Das sieht für mich eher wie Frontonia aus, vielleicht Frontonia depressa. Um Frontonia von Disematostoma zu unterscheiden, ist ebenfalls die Mundöffnung ausschlaggebend. Disematostoma besitzt ein präorales Band, welches leiterförmig sein soll. Ich kann Dir leider kein Beispielbild liefern, weil ich diese Gattung noch nie gefunden habe. Ein weiteres Indiz für Frontonia auf Deinem Bildern sind die hellen Punktreihen links vom Mund auf dem linken Bild, erste Reihe. Dies könnten stabilisierende Fibrillen sind, welche den Mundtrichter stützen. So etwas besitzt nur Frontonia. Leider verschwimmt der hintere Mundrand in der Unschärfe. Ist er gerade abgestutzt, so ist das auch ein Merkmal von Frontonia. Die Mundöffnung dieser Gattung hat oft die Form eines Bügeleisens, vorne spitz und hinten gerade abgestutzt. Unten habe ich Dir eine typische Frontonia Mundöffnung von Frontonia leucas angehängt.

Schönen Abend!

Martin

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Re: Disematostoma oder Glaucoma? Beides fraglich...

#3 Beitrag von paramecium » 9. November 2016, 21:02

Hallo Martin,

vielen Dank für Deine Unterstützung. Glaucoma schließe ich schon aufgrund der Form des Macronucleus aus.

Nachdem ich den Artikel schrieb, kam ich durch Recherche gestern noch auf Frontonia und verglich mit Angaben aus Kahl. Dem werde ich nachgehen. Eventuell ist hier schon Kahls (1931) Hinweis "kleine Moosform" hilfreich. "Deutlich verlängerte" Caudalcilien hingegen zeigen meine Aufnahmen nicht. Es ist in der Tat eine Moosprobe aus dem im September und Oktober völlig ausgetrockneten Maars, welche hier wieder belebt wurde. Dies würde eine stärkere Affinität und deutlich lokale Abgrenzug des Ciliaten zu dem Moos selbst innerhalb eines solch begrenzten Erkundungsgebiets des ausgetrockneten Kleingewässers bedeuten. Das ist insofern interessant, als das Gewässer den Rest des Jahres mindestens seit November letzten Jahres mit Falllaub und Wasser angefüllt war und das junge Moos erst kürzlich auf dem trockenen Boden gewachsen ist.

Der für F. depressa angegebene Micronucleus ist weiterhin noch fraglich. In der Fluoreszenzaufnahme hätte er auffallen müssen. Allerdings war aufgrund der Bewegung keine scharfe Aufnahme möglich und man könnte unten ein Anhängsel am Ma vermuten. Dies wäre jedoch nicht der mit Pfeil markierte Bereich, sondern eher eine Randzone des Ma selbst.

Weißt Du zufällig, ob sich in der Literatur weitere Hinweise finden, dass dieser Ciliat Trockencysten ausbildet, und wie diese aussehen?

Viele Grüße

Thilo

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Re: Disematostoma oder Glaucoma? Beides fraglich...

#4 Beitrag von MartinKreutz » 10. November 2016, 20:34

Hallo Thilo,

den Mikronucleus kannst Du bei Exemplaren, die sich noch bewegen können, in den meisten Fällen nicht erkennen. Die Schichtdicke ist noch zu hoch. Du musst die Viecher pressen, um die Kernverhältnisse und die Mundform genau untersuchen zu können. Nein, weiterführende Literatur habe ich nicht. Ich befürchte jedoch, dass es da wenig geben wird. Diese kleineren Frontonia Arten sind sicher Neuland, wo außer Kahl und vielleicht Penard noch keiner war.

Martin

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Re: Disematostoma oder Glaucoma? Beides fraglich...

#5 Beitrag von paramecium » 10. November 2016, 21:58

Hallo Martin,

das macht insofern Mut, als es Neuland ist, also hier noch etwas zu entdecken ist.

Thilo

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Re: Frontonia spec.

#6 Beitrag von paramecium » 13. November 2016, 22:24

Ich habe noch eine weitere Aufnahme des Wimpernfelds des Mundes eingestellt. Diese weist Ähnlichkeit mit den elektronenmikroskopischen Aufnahmen von F. acuminuta bei Foissner auf. Von der Größe (ca. 70 µm) und Form her könnte diese und ebenfalls F. depressa passen. Ein spitz zulaufendes Ende ist jedenfalls nicht deutlich zu erkennen. Ich werde sehen, ob ich noch bessere Aufnahmen oder Versilberung hinbekomme.

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