Lacrymaria olor
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spectrum
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Lacrymaria olor
Hallo Forum,
Heute möchte ich euch Bilder und Videos von Lacrymaria olor vorstellen.
Dieser Raubcilliat ist besitzt eine charakteristische Körperform mit einem Hals der sich blitzschnell (bis zu 1000 µm/s!) um ein vielfaches (bis zum 30fachen!) seiner Länge ausdehnen kann.
Dieser Hals ist darüber hinaus extrem beweglich und das Tier kann diesen sowohl im Winkel abknicken als auch spiralig einrollen, was einen Beutefang auch "um die Ecke" möglich macht.
In dieser Kombination und Ausmaß einzigartig und unverwechselbar. Ich finde diesen Ciliaten häufig in meinen Tümpelproben.
Meist gut versteckt zwischen Detriuspartikeln, teils in sehr unterschiedlichen Habitaten. Oft in kleinen Gruppen. Dann sieht man oft nur die kleinen Hälse die herausgestreckt werden.
Selten sieht man ihn frei mit gerade ausgestreckten Proboscis wie ein Pfeil durchs Wasser schwimmen.
Er lässt sich relativ einfach, zumindest für eine Weile, vermehren wenn man ihn zusammen mit Futterorganismen in verdünntem Heumedium ansetzt.
Unter eutrophen Bedingungen wird der Hals nur wenig und viel seltener ausgestreckt und man kann ihn dann leicht mit anderen Arten wie z.b. Litonotus verwechseln.
Am vorderen Ende befindet sich ein kleines bewimpertes "Köpfchen," mit dem kleine Beute, wie in diesem Fall Chilomonas paramecium und Colpidium striatum mit den bereits beschriebenen schnellen Vorwärtsbewegungen gejagt wird: Hier noch ein Video dieses "Bruce Lee unter den Protozoen":
https://youtu.be/FF6zHwm73Lk?is=mZliI7SW3T4tiAkD
LG Holger
Heute möchte ich euch Bilder und Videos von Lacrymaria olor vorstellen.
Dieser Raubcilliat ist besitzt eine charakteristische Körperform mit einem Hals der sich blitzschnell (bis zu 1000 µm/s!) um ein vielfaches (bis zum 30fachen!) seiner Länge ausdehnen kann.
Dieser Hals ist darüber hinaus extrem beweglich und das Tier kann diesen sowohl im Winkel abknicken als auch spiralig einrollen, was einen Beutefang auch "um die Ecke" möglich macht.
In dieser Kombination und Ausmaß einzigartig und unverwechselbar. Ich finde diesen Ciliaten häufig in meinen Tümpelproben.
Meist gut versteckt zwischen Detriuspartikeln, teils in sehr unterschiedlichen Habitaten. Oft in kleinen Gruppen. Dann sieht man oft nur die kleinen Hälse die herausgestreckt werden.
Selten sieht man ihn frei mit gerade ausgestreckten Proboscis wie ein Pfeil durchs Wasser schwimmen.
Er lässt sich relativ einfach, zumindest für eine Weile, vermehren wenn man ihn zusammen mit Futterorganismen in verdünntem Heumedium ansetzt.
Unter eutrophen Bedingungen wird der Hals nur wenig und viel seltener ausgestreckt und man kann ihn dann leicht mit anderen Arten wie z.b. Litonotus verwechseln.
Am vorderen Ende befindet sich ein kleines bewimpertes "Köpfchen," mit dem kleine Beute, wie in diesem Fall Chilomonas paramecium und Colpidium striatum mit den bereits beschriebenen schnellen Vorwärtsbewegungen gejagt wird: Hier noch ein Video dieses "Bruce Lee unter den Protozoen":
https://youtu.be/FF6zHwm73Lk?is=mZliI7SW3T4tiAkD
LG Holger
Zuletzt geändert von spectrum am 19. April 2026, 22:46, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Lacrymaria olor
Hallo Holger,
sehr schön getroffen. Ich erinnere mich an ein Britisches Filmteam, das vor Jahren in der Uni Köln zu Gast war um Lacrymaria olor beim Fressen zu beobachten. Mit Engelsgeduld haben die beiden Tierfilmer an dem geliehenen Mikroskop über drei Wochen ausgeharrt, um Material für einige Sekunden Filmschnitt dieser Beobachtung zusammen zu bekommen.
Viele Grüße
Thilo
sehr schön getroffen. Ich erinnere mich an ein Britisches Filmteam, das vor Jahren in der Uni Köln zu Gast war um Lacrymaria olor beim Fressen zu beobachten. Mit Engelsgeduld haben die beiden Tierfilmer an dem geliehenen Mikroskop über drei Wochen ausgeharrt, um Material für einige Sekunden Filmschnitt dieser Beobachtung zusammen zu bekommen.
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spectrum
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Re: Lacrymaria olor
Hallo Thilo,
Die eigentliche Nahrungsaufnahme konnte ich bisher leider noch nicht aufnehmen, dazu war mein Exemplar wohl entweder zu gestresst durch das Deckglas, oder schlicht und einfach zu "satt", da es frisch aus einer Petrischale mit reichlich Futter kam.
Mittelfristig (die Fundortentnahme war vor ca 3 Wochen) vermehrt sich Lacrymaria dort auch erstaunlich gut.
Mal sehen wie lange das so bleibt.
Lacrymaria scheint ja, nach allem was ich so bisher gelesen habe, über längere Zeiträume Probleme zu machen, wenn man sie künstlich vermehrt (Stichwort "clonal-death").
Hast du da eventuell Erfahrungen zu dem Thema und könntest mir zu dem Thema Langzeitkultivierung event. einen Tipp geben?
Ich würde mir diesen faszinierenden Raubcilliaten gerne noch etwas länger anschauen.
Ich fahre bisher mit verdünntem Chalkley's Medium, also einem Heuaufguss mit ein paar zusätzlichen Elektrolyten und den oben bereits erwähnten Futterorganismen am besten.
Mich würde interessieren welches Nährmedium du ggf. für das geeignetste hältst.
Von den Aufnahmen für NATIONAL GEOGRAPHIC in Köln habe ich auch schon gehört.
Es gibt dazu auch ein Video von Sebastian Hess auf Youtube.
Ein High End Kamera Rückteil von "RED" auf einem ZEISS SteREO Discovery.V20 Mikroskop...
Mein lieber Jolly
Daneben aber auch ein 50Jahre altes inverses Zeiss (IM35).
Auf so einem ähnlichen Modell hab ich übrigens auch das Video aufgenommen.
LG Holger
Die eigentliche Nahrungsaufnahme konnte ich bisher leider noch nicht aufnehmen, dazu war mein Exemplar wohl entweder zu gestresst durch das Deckglas, oder schlicht und einfach zu "satt", da es frisch aus einer Petrischale mit reichlich Futter kam.
Mittelfristig (die Fundortentnahme war vor ca 3 Wochen) vermehrt sich Lacrymaria dort auch erstaunlich gut.
Mal sehen wie lange das so bleibt.
Lacrymaria scheint ja, nach allem was ich so bisher gelesen habe, über längere Zeiträume Probleme zu machen, wenn man sie künstlich vermehrt (Stichwort "clonal-death").
Hast du da eventuell Erfahrungen zu dem Thema und könntest mir zu dem Thema Langzeitkultivierung event. einen Tipp geben?
Ich würde mir diesen faszinierenden Raubcilliaten gerne noch etwas länger anschauen.
Ich fahre bisher mit verdünntem Chalkley's Medium, also einem Heuaufguss mit ein paar zusätzlichen Elektrolyten und den oben bereits erwähnten Futterorganismen am besten.
Mich würde interessieren welches Nährmedium du ggf. für das geeignetste hältst.
Von den Aufnahmen für NATIONAL GEOGRAPHIC in Köln habe ich auch schon gehört.
Es gibt dazu auch ein Video von Sebastian Hess auf Youtube.
Ein High End Kamera Rückteil von "RED" auf einem ZEISS SteREO Discovery.V20 Mikroskop...
Mein lieber Jolly
Daneben aber auch ein 50Jahre altes inverses Zeiss (IM35).
LG Holger
Holger (duzen erwünscht)
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Re: Lacrymaria olor
Lieber Holger,
ich habe in dem Video das Gefühl, dass Bakterien aufgenommen werden, die dann beim Einziehen und Schütteln des Halses ins Innere gelangen. Tolle Aufnahmen?
Grüße
Stephan
ich habe in dem Video das Gefühl, dass Bakterien aufgenommen werden, die dann beim Einziehen und Schütteln des Halses ins Innere gelangen. Tolle Aufnahmen?
Grüße
Stephan
Mikroskope: Leica DMRB mit Plan Fluotar und PlanApo, Leitz Dialux mit NPl
Stemi: Zeiss Stemi 508, Wild-Heerbrugg M5
Kamera: Sony alpha 6400 und 6500
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: viewtopic.php?f=32&t=831
Stemi: Zeiss Stemi 508, Wild-Heerbrugg M5
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spectrum
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Re: Lacrymaria olor
Hallo Stephan
Das dort vielleich etwas aufgenommen wurde und dann als helle Punkte im Hals der Lacrymaria aufleuchtet wäre denkbar. Hohl ist er ja, und größere Nahrung wie Chilomonas, oder abgerissen Stücke von Colpidium, habe ich da schon durchwandern sehen. Leider hab ich das noch nicht auf Film gebannt bekommen. Die Lacrymaria in dem Video war wohl doch entweder satt oder vom Deckglas genervt.
Chancen zum Fressen hatte sie ja genug.
Dieser Hals ist schon ein absolut beeindruckendes Wunderwerk der Natur!
LG Holger
Das dort vielleich etwas aufgenommen wurde und dann als helle Punkte im Hals der Lacrymaria aufleuchtet wäre denkbar. Hohl ist er ja, und größere Nahrung wie Chilomonas, oder abgerissen Stücke von Colpidium, habe ich da schon durchwandern sehen. Leider hab ich das noch nicht auf Film gebannt bekommen. Die Lacrymaria in dem Video war wohl doch entweder satt oder vom Deckglas genervt.
Chancen zum Fressen hatte sie ja genug.
Dieser Hals ist schon ein absolut beeindruckendes Wunderwerk der Natur!
LG Holger
Holger (duzen erwünscht)
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Re: Lacrymaria olor
Hallo,
Die Kulturen halten sich jetzt unter Verwendung von verdünntem Chalkley's Medium schon eine ganze Weile stabil mit guten Vermehrungsraten.
Da konnte ich ein paar Aufnahmen dieser wirklich sehr interessanten Einzeller einfangen: Eine kleine Video Dokumentation ist dabei auch zusammen gekommen:
https://youtu.be/ThGEMSCdnqo?is=BBcCzvsnwtDl0ii6
Viel Spaß beim Anschauen.
Holger
Die Kulturen halten sich jetzt unter Verwendung von verdünntem Chalkley's Medium schon eine ganze Weile stabil mit guten Vermehrungsraten.
Da konnte ich ein paar Aufnahmen dieser wirklich sehr interessanten Einzeller einfangen: Eine kleine Video Dokumentation ist dabei auch zusammen gekommen:
https://youtu.be/ThGEMSCdnqo?is=BBcCzvsnwtDl0ii6
Viel Spaß beim Anschauen.
Holger
Zuletzt geändert von spectrum am 19. April 2026, 17:20, insgesamt 2-mal geändert.
Holger (duzen erwünscht)
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Re: Lacrymaria olor
Hallo Holger,
Ich selbst habe den Verlust einer klonalen Kultur im letzten Sommer hinnehmen müssen. Umstände waren vermutlich andere. Der eher anoxisch und mit Vorliebe im Dunkeln lebende Organismus ging wohl zugrunde, als die Morgensonne eine Weile in den Inkubator schien. Dabei bildete sich auch eine Algenkolonie heraus. Ich vermute der Organismus ging an dem Sauerstoff zugrunde. Ein Neuansatz aus den noch in der ergrünten Kultur vorhandenen Individuen misslang. Eine ebenso wertvolle Schwesterart hatte ich ein Jahr zuvor unter ähnlichen Umständen verloren. Auch hier ließen sich die noch vorhandenen Organismen nicht mehr erfolgreich in eine neue Kultur überführen und der Stamm ging zugrunde.
Kurios ist das allemal, da ich den Stamm über mehrere Jahre scheinbar algenfrei hielt. Das war obendrein verwunderlich, zumal man diesen Stamm auch mal über 9 Monate in irgendeiner Ecke vergessen konnte, ohne dass er Schaden nahm. Es müssen wenige hartnäckige Schläferalgen gewesen ein, die im Dunkeln über Jahre hinweg überlebten. Ich habe mir jedoch nicht die Mühe gemacht zu prüfen um welche Algen es sich bei dem grünen Mix handelte.
Inzwischen werte ich einen Versuch nicht mehr als erfolgreiche Inkulturnahme, wenn es lediglich 1-3 Monate gelingt, den Organismus zu erhalten. Solche eine Kultur muss wenigstens über mehr als ein Jahr laufen, bevor ich sie Kultur nenne.
An einigen Arten beiße ich mir bis heute die Zähne aus. So gelang es mir bis heute nicht den am Heiligen Meer besonders im Frühjahr bislang massenhaft auftretenden Stentor amethystinus erfolgreich in Kultur zu nehmen. Einen neuen Anlauf mit veränderten Medien wollte ich heuer vornehmen. Doch am Heiligen Meer blieb heuer das massenhafte Vorkommen aus. Wir haben dieses Jahr keinen einzigen Burschen in den Proben finden können... Die Umstände bleiben im Dunkeln.
So ist sie, die Biologie. Selbst die Kultur in freier Natur ist nicht stabil.
Gerade läuft ein Versuch, einen Fund von Steinia am Heiligen Meer mit einem Algenmedium zu kultivieren. Algen sind eben die Leibspeise von Steinia.
Viele Grüße
Thilo
Zu Paramecium gab es vereinzelte Veröffentlichungen, die ein ewiges Leben dieses Organismus in klonalen Kulturen diskutierten. Man hatte die Anzahl der Zellzyklen abgeschätzt und war verwundert, wie lange sie sich ohne die Möglichkeit eines Genaustauschs teilen. Ich müsste die Arbeiten heraussuchen und habe diesen Strang der Forschung nicht weiter verfolgt. In nicht-klonalen Kulturen von Paramecium findet man im Gegensatz hierzu besonders bei Neuansätzen in der Startphase zahlreiche Konjugationen, so dass sich auch diese Zellzyklen und die Reorganisation des nach der Konjugation zerfallenen Macronucleus gut beobachten lässt.
Ich selbst habe den Verlust einer klonalen Kultur im letzten Sommer hinnehmen müssen. Umstände waren vermutlich andere. Der eher anoxisch und mit Vorliebe im Dunkeln lebende Organismus ging wohl zugrunde, als die Morgensonne eine Weile in den Inkubator schien. Dabei bildete sich auch eine Algenkolonie heraus. Ich vermute der Organismus ging an dem Sauerstoff zugrunde. Ein Neuansatz aus den noch in der ergrünten Kultur vorhandenen Individuen misslang. Eine ebenso wertvolle Schwesterart hatte ich ein Jahr zuvor unter ähnlichen Umständen verloren. Auch hier ließen sich die noch vorhandenen Organismen nicht mehr erfolgreich in eine neue Kultur überführen und der Stamm ging zugrunde.
Kurios ist das allemal, da ich den Stamm über mehrere Jahre scheinbar algenfrei hielt. Das war obendrein verwunderlich, zumal man diesen Stamm auch mal über 9 Monate in irgendeiner Ecke vergessen konnte, ohne dass er Schaden nahm. Es müssen wenige hartnäckige Schläferalgen gewesen ein, die im Dunkeln über Jahre hinweg überlebten. Ich habe mir jedoch nicht die Mühe gemacht zu prüfen um welche Algen es sich bei dem grünen Mix handelte.
Es gibt leider nicht das eine am besten geeignete Medium. Man muss das im Einzelnen ausprobieren. Bei den beiden erwähnten Schwesterarten hatte ich verschiedenes ausprobieren müssen, da sie zwar ähnliche Lebensräume, aber offensichtlich unterschiedliche Ansprüche zu haben scheinen. Chalkley's Medium setze ich nicht ein wegen des hohen Anteils an NaCl. Eher ist es auch die Bakterienzusammensetzung, die man hier am Leben halten muss. Die Organismen, für die ich mich interessiere leben zudem meist in Regenwasser gespeisten Mooren und ephemeren Tümpeln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Organismen auf hohe Gaben von Chlorid oder Kochsalz stehen.
Inzwischen werte ich einen Versuch nicht mehr als erfolgreiche Inkulturnahme, wenn es lediglich 1-3 Monate gelingt, den Organismus zu erhalten. Solche eine Kultur muss wenigstens über mehr als ein Jahr laufen, bevor ich sie Kultur nenne.
An einigen Arten beiße ich mir bis heute die Zähne aus. So gelang es mir bis heute nicht den am Heiligen Meer besonders im Frühjahr bislang massenhaft auftretenden Stentor amethystinus erfolgreich in Kultur zu nehmen. Einen neuen Anlauf mit veränderten Medien wollte ich heuer vornehmen. Doch am Heiligen Meer blieb heuer das massenhafte Vorkommen aus. Wir haben dieses Jahr keinen einzigen Burschen in den Proben finden können... Die Umstände bleiben im Dunkeln.
So ist sie, die Biologie. Selbst die Kultur in freier Natur ist nicht stabil.
Gerade läuft ein Versuch, einen Fund von Steinia am Heiligen Meer mit einem Algenmedium zu kultivieren. Algen sind eben die Leibspeise von Steinia.
Viele Grüße
Thilo
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Re: Lacrymaria olor
Hallo Thilo,
Das Thema "clonal-death" ist genauso wie die Entdeckung von "mating-types" und dem Nachweis verschiedener cryptischer Arten ja noch relativ neu, und erst durch genetische Untersuchungen in den Fokus der Forschung geraten. Das sind wirklich spannende Themen. Ich bin gespannt, welche neuen Erkenntnisse es dazu in der nächsten Zeit noch geben wird.
Was das gehäufte Auftreten von Konjugationen angeht, hab ich das auch schon beobachtet.
Sowohl bei aus Wildfängen neu angesetzten Kulturen, als auch dann wenn man manche getrennte Populationen zusammenführt (zumindest bei meinen Paramecien ist das so).
Spannendes Thema.
Was das Chalkley's Medium angeht, danke ich dir für deinen Hinweis.
Ich habe jetzt schon öfters beobachtet das einige Ansätze besser laufen, wenn man die ursprüngliche Rezeptur verdünnt.
(ich nutze diese hier:https://amyd.quimica.unam.mx/pluginfile ... download=1)
Nicht nur bei Lacrymaria, auch bei Loxophyllum, Paradileptus, Pseudomonilicaryon, und Bursaria wurde dieses Medium im Verhältnis 1:1 (oder noch mehr) verdünnt, besser angenommen.
Ich werde mal schauen, wie es aussieht, wenn man nur die Zugabe der Elektrolyte reduziert.
Freundliche Grüße Holger
Das Thema "clonal-death" ist genauso wie die Entdeckung von "mating-types" und dem Nachweis verschiedener cryptischer Arten ja noch relativ neu, und erst durch genetische Untersuchungen in den Fokus der Forschung geraten. Das sind wirklich spannende Themen. Ich bin gespannt, welche neuen Erkenntnisse es dazu in der nächsten Zeit noch geben wird.
Was das gehäufte Auftreten von Konjugationen angeht, hab ich das auch schon beobachtet.
Sowohl bei aus Wildfängen neu angesetzten Kulturen, als auch dann wenn man manche getrennte Populationen zusammenführt (zumindest bei meinen Paramecien ist das so).
Spannendes Thema.
Was das Chalkley's Medium angeht, danke ich dir für deinen Hinweis.
Ich habe jetzt schon öfters beobachtet das einige Ansätze besser laufen, wenn man die ursprüngliche Rezeptur verdünnt.
(ich nutze diese hier:https://amyd.quimica.unam.mx/pluginfile ... download=1)
Nicht nur bei Lacrymaria, auch bei Loxophyllum, Paradileptus, Pseudomonilicaryon, und Bursaria wurde dieses Medium im Verhältnis 1:1 (oder noch mehr) verdünnt, besser angenommen.
Ich werde mal schauen, wie es aussieht, wenn man nur die Zugabe der Elektrolyte reduziert.
Freundliche Grüße Holger
Holger (duzen erwünscht)
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Re: Lacrymaria olor
Hallo Holger,
Der Begriff "Mating Types", den T. M. Sonneborn für Paramecium aurelia Stämme beschrieb sind recht interessant. Es gab später bis in die heutige Zeit eine Interpretation in dem Sinne eines "Artenkomplexes" von Paramecium aurelia. Diese Begrifflichkeit "Artenkomplex" wurde inzwischen auch auf andere Arten der Gattung etwa Stylonichia übertragen. Ich habe dazu eine eigene Meinung. Der Artenbegriff bezogen auf die genetische Kompatibilität von Kreuzungsexperimenten zwischen klonalen Stämmen, also Klonen einzelner Individuen, ist hier vermutlich falsch interpretiert worden. Der Begriff Mating Types, also heiratsfähiger Stämme kann sicher keine eigenen Arten meinen. Vermutlich ging es auch Sonneborn im Laufe der Zeit auf. Ursprünglich verwendete Sonneborn zu jener Zeit sogar den Begriff "Rassen" (races), den er später revidierte und durch "Mating types" ersetzte. Da war es dann wohl zu spät für diese Korrektur. Letztlich fanden Sonneborns Arbeiten zur Epigenetik vor diesem Hintergrund in den 1940ern vor einer parallelen Entwicklung einer Rassenlehre auf dem europäischen Kontinent auch keine Beachtung mehr. So finden wir heute eine denkwürdige Verquickung historischer Ereignisse und Interpretationen aus jener Zeit.
Mating Types, wie er es meiner Erinnerung nach zuletzt ausdrückte, trifft es wohl noch am ehesten.
Viele Grüße
Thilo
Der Begriff "Mating Types", den T. M. Sonneborn für Paramecium aurelia Stämme beschrieb sind recht interessant. Es gab später bis in die heutige Zeit eine Interpretation in dem Sinne eines "Artenkomplexes" von Paramecium aurelia. Diese Begrifflichkeit "Artenkomplex" wurde inzwischen auch auf andere Arten der Gattung etwa Stylonichia übertragen. Ich habe dazu eine eigene Meinung. Der Artenbegriff bezogen auf die genetische Kompatibilität von Kreuzungsexperimenten zwischen klonalen Stämmen, also Klonen einzelner Individuen, ist hier vermutlich falsch interpretiert worden. Der Begriff Mating Types, also heiratsfähiger Stämme kann sicher keine eigenen Arten meinen. Vermutlich ging es auch Sonneborn im Laufe der Zeit auf. Ursprünglich verwendete Sonneborn zu jener Zeit sogar den Begriff "Rassen" (races), den er später revidierte und durch "Mating types" ersetzte. Da war es dann wohl zu spät für diese Korrektur. Letztlich fanden Sonneborns Arbeiten zur Epigenetik vor diesem Hintergrund in den 1940ern vor einer parallelen Entwicklung einer Rassenlehre auf dem europäischen Kontinent auch keine Beachtung mehr. So finden wir heute eine denkwürdige Verquickung historischer Ereignisse und Interpretationen aus jener Zeit.
Mating Types, wie er es meiner Erinnerung nach zuletzt ausdrückte, trifft es wohl noch am ehesten.
Viele Grüße
Thilo