Euplotes daidaleos

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Euplotes daidaleos

#1 Beitrag von SNoK » 6. Juli 2021, 16:40

Liebe Tümpler/innen,

ich habe in meinem Gartenteich Euplotes daidaleos gefunden, und frage mich jetzt, ob es sich bei den Bildern um eine Konjugation oder eine Teilung handelt. Was meint ihr? Kahl kannte die Art offenbar noch nicht, denn sie wurde erst 1966 von Diller & Kounaris beschrieben. Bei den symbiontischen Algen handelt es sich wohl um Chlorella sp. Die Länge ist 80-90 µm.

Grüße
Stephan

GT Euplotes daidaleos 01B-800.jpg
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Re: Euplotes daidaleos

#2 Beitrag von paramecium » 20. Juli 2021, 19:07

Lieber Stephan,

das ist ein interessanter Fund! Das ist ganz sicher eine Konjugation, doch bei der Art Euplotes daidaleos bin ich mir nicht sicher. Die fast schon viereckige Form passt im Prinzip gar nicht.

Falls Du noch Tiere hast und entbehren kannst, sende mir doch mal eine Probe, dann versuche ich, ob wir diese kultivieren kann. Bei Euplotes ist das im Grunde einfach. Ich habe eine Vergleichskultur mit einem E. daidaleos hier, so dass man das näher untersuchen könnte.

Viele Grüße

Thilo

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Re: Euplotes daidaleos

#3 Beitrag von SNoK » 20. Juli 2021, 20:21

Lieber Thilo,

im Gegensatz zu Dir lege ich keine Kulturen an. Ex und Hop sozusagen. In diesem Fall war der Fund aber aus meinem Gartenteich, und das ist ja auch eine Art Kultur. Ich werde die Tage mal wieder hinfahren und schauen, ob ich das Tierchen noch finde. Aber bei der Bestimmung kommt man zu Euplotes daidalos wegen der symbiontischen Algen. Was könnte es denn sonst sein? Vielleicht haben sie sich eckig konjugiert :wicked_005:

Grüße
Stephan
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Re: Euplotes daidaleos

#4 Beitrag von paramecium » 20. Juli 2021, 21:23

Lieber Stephan,

Dein Fund ist sehr interessant für die Spezialisten, die sich mit den Symbiosen der Ciliaten beschäftigen. Sergio Gomez, Martin Kreutz und Sebastian Hess haben kürzlich ein neues Paper zu den beiden "Pseudoblepharisma" Arten veröffentlicht, die Martin Kreuz regelmäßig im Simmelried findet. Michael M. hielt diese noch für eine Art und diskutierte die Zusammensetzung der beiden Symbionten der einen von beiden Arten, die auch ein Schwefelbakterium beheimatet. Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse, dass es sich bei beiden Pseudoblepharisma Arten um zwei verschiedene Arten handelt und dass sie in einer der letzten Arbeiten von Wilhelm Foissner und Martin sogar der Gattung Spirostomum zugeordnet werden (ein Tagungsbeitrag der DGP). Ich muss mal bei einem österreichischen Kollegen nachfragen, der sich um den Nachlass der unveröffentlichten Arbeiten von Wilhelm Foissner kümmert, ob da noch etwas nachfolgendes veröffentlicht wird.

Alleine die Zoochlorellen sind hier definitiv kein Bestimmunsgkriterium. Mit Chlorella liegst Du jedoch wahrscheinlich richtig.

Ich habe heute von Micheael Pelagodileptus ein Foto einer Konjugation zweier Frontonia erhalten, das hierüber eine eindeutige Auskunft gibt. Zwei Individuen haben eine sexuelle Fortpflanzung eingeleitet, von denen eine Zoochlorellen enthielt, die andere nicht. Solche Bilder sprechen Bände. Von Spirostomum semivirescens wissen wir seit unserem gemeinsamen Projekt, dass wir einige S. minus im Fundus haben, die diesem genetisch sehr nahe stehen. Ich denke auch hier ist die Art inzwischen nicht mehr als eigenständige Art haltbar. Frühere genetischen Befunde haben das schon nahe gelegt.

Vielmehr sind die morphologischen Merkmale wichtig. Es gibt in der Genetik der Ciliaten viele Arten, die symbiotische Gemeinschaften mit Algen eingehen können. Nicht müssen! Selbst von dem bekannten Paramecium busraria sind natürliche Stämme bekannt, die keine Zoochlorellen tragen. Einen Fund von Michael Plewka, den er vor einer Weile im Mikroskopieforum veröffentlichte, würde ich einem solchen Stamm aufgrund der Form des Micronucleus zuordnen. Ich selbst zweifle inzwischen, ob Stichotricha aculeta und Stichotricha secunda (siehe Kahl, 1932) zwei verschiedeen Arten sind, oder ob zumindest S. aculeata zeitweilig auch ohne Zoochlorellen auftritt. Ich habe die Form ohne Zoochlorellen bereits als Pionier in einem Sumpfloch beobachtete, in dem die Form mit Zoochlorellen im Frühjahr regelmäßig auftrat.

Ich denke in Deinem Fall, dass dieser Euplotes aufgrund der Morphologie eine andere Art ist. Insofern halte ich diesen Fund für wichtig und eine genaue morphologische Beschreibung für ebenso wichtig. Suche mal hier im Forum nach E. daidaleos und vergleiche die Morphologie. Dein Post erinnerte mich an eine Diskussion mit einem jungen Wissenschaftler auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Protozoologie. Er erwähnte, dass auch bei einigen Funden von Euplotes die Rolle der Zoochlorellen neu zu bewerten sei. Es wurde sogar schon in Frage gestellt, ob E. daidaleos eine eigene Art sei. Nun, ich sage mal vorsichtig "ja", denn zu dem echten "E. daidaleos" gibt es schon ein paar Gensequenzen.

Ich bin gespannt auf Deine Proben.

Viele Grüße

Thilo

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Re: Euplotes daidaleos

#5 Beitrag von SNoK » 21. Juli 2021, 08:48

Lieber Thilo,

da ich morgen für zwei Tage wegfahre und dann am Montag noch mal für eine Woche zu einem Seminar über Quantenphysik (und Mikroorganismen) an den Stanbrger See, komme ich erstmal nicht dazu, neue Proben im Gartenteich zu ziehen. Das wird dann Anfang August. Aber ich hatte in derselben Probe noch ein paar nicht allzu gute Aufnahmen von einem Individuum gemacht, das nicht in Konjugation ist. Das ist viel runder als die in Konjugation. Da es dieselbe Probe war, gehe ich davon aus, dass es auch dieselbe Population also Art ist. Vielleicht bewirkt tatsächlich die Konjugation den Effekt, dass die Tiere eckig werden. Hier also noch ein Bild. Das Individuum ist ebenfalls so um die 80 µm in der Länge.

Grüße
Stephan

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Re: Euplotes daidaleos

#6 Beitrag von paramecium » 21. Juli 2021, 15:55

Hallo Stephan,

interessante Beobachtung über diese Formvariabilität. Vielleicht ist das auch nur ein perspektivischer Effekt bei der mikroskopischen Beobachtung. Ja, das sieht E. daidaleos tatsächlich ähnlicher.

Viel Spaß bei Deinem Seminar. Quantum Physics ist aber harter Tobak, den man ohne Analysis und Wahrscheinllchkeitsrechnung eigentlich gar nicht begreifen kann. Alles, was in den Büchern so illustrativ vermittelt werden möchte, geht an der physikalischen Realität vorbei. Am liebsten waren mir noch die Lösungen der Schrödinger-Gleichungen zum Elektronenschalenmodell. Wobei das auch nur Hüllen wahrscheinlicher Aufenthaltsorte sind. All das Gefasel der modernen Kosmologie hingegen hätte man in der Naturwissenschaft vor dem ersten Weltkrieg und vermutlich noch bis in die 1960er Jahre nur verspottet - vom Urknall bis zur dunklen Materie zu dessen Erklärung. Ich denke immer noch, dass man rein aus religiöser Überzeugung daran festhält. Ein unendliches Universum wäre ebenso denkbar.

Gruß

Thilo

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Re: Euplotes daidaleos

#7 Beitrag von SNoK » 21. Juli 2021, 21:17

Lieber Thilo,

was wir am Starnberger See machen und diskutieren, ist eine sehr weitgehende Interpretation der Quantenphysik im Anschluss an Carl Friedrich von Weizsäcker und seine Ur-Theorie. Aber das würde hier zu weit führen, das können wir mal an anderer Stelle besprechen. Ich habe dazu auch was geschrieben.

Grüße
Stephan
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