Amoeba proteus

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paramecium
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Amoeba proteus

#1 Beitrag von paramecium » 21. November 2022, 20:29

Liebe Foristi,

kürzlich hat mein Haustierzoo Zuwachs bekommen. Es handelt sich mutmaßlich um Amoeba proteus die ich nun in Kultur genommen habe. Die Bestimmung von Amoeben ist selbst bei der bekannten A. proteus leider nicht trivial, weder lichtmikroskopisch, noch mit der Genanalyse. Es gibt eine Schwesterart A. leningradensis, die A. proteus sowohl morphologisch, als auch genetisch recht ähnlich ist und daher nur schwer von A. proteus zu unterscheiden ist. Hier einige Merkmale aus der Literatur:

A. proteus: Größe 220 to 760 µm; Nucleus ovoid bis unregelmäßig 22-62 µm; kristalline Einschlüsse meist bi-pyramidal, aber auch abgeplattet quaderförmig.
A. leningradensis: Größe 160-550 µm; Nucleus ovoid 21-29 µm; kristalline Einschlüsse meist bi-pyramidal

Man errät unschwer aus den Merkmalen, dass die Unterscheidung beider Spezies aufgrund dieser Merkmale nur sehr schwer gelingt. Die berichtete Variabilität der Größe des Zellkerns von A. proteus schließt solche Exemplare von A. leningradensis mit ein. Die beiden von mir abgebildeten Exemplare entstanden über Nacht inkubiert in der Fluoreszenzfärbung durch Teilung als Tochterzellen einer isolierten Amöbe. Zwei hübsche Geschöpfe, sofern man ein Fan solcher Spezies ist. Ihre Merkmale sind naturgemäß fast identisch. Die Größe der Zellkerne liegt hier gerade an der Grenze des Bereichs, in dem beide Spezies als mögliche Kandidaten gelten können. Wartet man jedoch ab, wie der Zellkern orientiert ist, offenbarte sich bei einem meiner Exemplare bei anderer Orientierung und Lage des Zellkerns keine rein ovoide, sondern eher zylindrisch abgeplattete Form in der Seitenansicht. Nur in der axialen Draufsicht erschien der Zellkern bei einer der beiden Tochterzellen oval. Die als Doppelhelix verpackte DNA erscheint in knotigen Strukturen etwa zylindrisch verteilt im Nucleus. Lichtmikroskopisch sichtbare "Nucleoli" unterhalb der Kernmembran können in der Fluoreszenzfärbung praktisch nicht lokalisiert werden, auch nicht, wie sonst üblich, als "Löcher" in der DNA Verteilung.

Eines der abgebildeten Exemplare habe ich mir mit dem 63x Objektiv genauer angesehen und entdeckte zusätzlich im Cytoplasma eingebettete Bakterien, deren DNA ebenfalls schwach gefärbt erscheint. Sie erklären das diffus blau gefärbte Cytoplasma im Übersichtsbild 2. Die Möglichkeit mitochondriale DNA abgebildet zu haben schließe ich aus, da Mitochondrien lichtmikroskopisch eher etwas dunkler grau gefärbt und meist auch deutlich größer erscheinen. Hier erscheinen kleine Stäbchen lichtmikroskopisch eher transparent und nicht dunkelgrau. Mitochondrien können in der Vergrößerung als größere, kugelförmige dunkelgraue Organellen erkannt werden.

Aufgrund der eher irregulären und nicht ovoiden Form des Nucleus entscheide ich mich bei der Bestimmung für Amoeba proteus.

Viel Spaß beim Betrachten!

Thilo


Bild 1: Amoeba proteus, Tochterzelle 1; Objektiv 25x.
A.proteus-BF.jpg
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Bild 2: Amoeba proteus, Tochterzelle 2; Fluoreszenzfärbung des Nucleus und des Plasmas; Objektiv 25x. Die blaue Hintergrundfärbung des Cytoplasmas deutet bereits das Vorhandensein von Bakterien an.
A.proteus-FL.jpg
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Bild 3: Starke Vergößerung mit den bi-pyramidalen, kristallinen Zelleinschlüssen (Cr); Objektiv 63x.
A.proteus-BF-63x.jpg
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Bild 4: Starke Vergrößerung des nun seitlich betrachteten Nucleus (Nu). Der Kontrast wurde stark erhöht, um die gefärbte DNA im Cytoplasma eingebetteter Bakterien (Ba) darzustellen. Objektiv 63x.
A.proteus-BF-FL-63x.jpg
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Re: Amoeba proteus

#2 Beitrag von SNoK » 21. November 2022, 23:52

Lieber Thilo,

interessanter Beitrag. Was Du so alles in Kultur nimmst. Es gibt doch Zigtausende von Mikroorganismen, da brauchst Du noch viel Platz.

Grüße
Stephan
Mikroskop: Leica DMRB und Leitz Dialux
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Stereomikroskop: MBS 10
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Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: viewtopic.php?f=32&t=831

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