Joseph Leidy und Hyalosphenia papilio

Nackt- und Schalenamöben sowie Sonnentiere
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cuxlaender
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Joseph Leidy und Hyalosphenia papilio

#1 Beitrag von cuxlaender » 2. September 2015, 13:01

Hallo,
Joseph Leidy war bekanntlich nicht zufrieden mit den Farblithographien in seinen Fresh-Water Rhizopods of North America. Hier ein beispielhafter Vergleich mit seinen Originalentwürfen:
Bild
Beim Exemplar links unten auffällig zwei Poren am Hals, wo sie nicht hingehören.
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Hier die Originalvorlage (leider ist der Text praktisch unlesbar):
Bild
Die Porenöffnungen im Flaschenhalsbereich gibt es hier nicht. Dafür besonders auf der rechten Umrisszeichnung viele Poren im Fundusbereich, die auf keiner der Tafelexemplare in dieser Menge auftauchen. Hier auch die Kotbällchen, die in das Exemplar links unten auf Tafel 21 übernommen wurden. Leidy zeichnete auch ein Operculum, das in der Lithographie weggelassen wurde, jedoch bei der Seitenansicht Nr 9 (mitte rechts) übernommen wurde.
Viele Grüße,
Hans
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Re: Joseph Leidy und Hyalosphenia papilio

#2 Beitrag von Monsti » 2. September 2015, 20:22

Lieber Hans,

Hyalosphenia papilio finde ich in unseren Mooren recht häufig. Bisher konnte ich immer nur im hinteren Teil der Schalen, an der breitesten Stelle beidseitig Poren finden. Hier ganz typisch:

Bild

Hast Du schon woanders Poren entdeckt?

Mal von den seltsam platzierten Poren abgesehen, sind die Zeichnungen von Leidy fantastisch. Ich wundere ich mich immer wieder über die exakten Darstellungen früherer Mikroskopiker, deren Handwerkszeug sicher weniger ausgefeilt war als unseres.

Herzliche Grüße
Angie
Der das Kleine in Ehren hält, ist des Großen umso würdiger. (Sprichwort)

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Re: Joseph Leidy und Hyalosphenia papilio

#3 Beitrag von cuxlaender » 3. September 2015, 11:24

Hallo Angie,

Ja, ich bewundere auch die Darstellungen in den Leidy-Tafeln, sie haben erst mein Interesse an den Testaceen so richtig geweckt.
Ich hatte bisher nur eine Wasserprobe mit - allerdings sehr vielen - papilio. Viele waren leer, die anderen alle mit enzystiertem Plasma, aber alle mit den zwei typischen Poren.
Bild
Über die Poren der Testaceen haben sich schon viele Leute den Kopf zerbrochen:
z.B. W. Jung 1936:
Es ist bemerkenswert, dass bei den Arcellen die Arten mit relativ engem Pseudostom einen Porenkranz aufweisen, der umso größere Löcher zeigt, je kleiner das Pseudostom ist. Eine Erklärung für die Anwesenheit der Poren ist vielleicht folgende: Wenn die Amöbe sich fortbewegen will, muß sie die Plasmamasse durch die Öffnung stecken und füllt dann vermutllch die gesamte Öffnung aus. Für das in der Schale bleibende Plasma könnten jetzt die Poren zum Ausgleich des durch Herausstrecken oder Einziehen des Plasmas entstehenden Unter-bzw. Überdrucks im Schaleninnern dienen ... die Poren bei der sehr lebhaften, nach meinen Beobachtungen sich ruckartig zurückziehenden H. papilio dienen wohl denselben oben genannten Zwecken. Irgendwie muß die Zunahme der Porenzahl mit wachsendem Feuchtigkeitsgehalte in Verbindung stehen.
Viele Grüße,
Hans
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Re: Joseph Leidy und Hyalosphenia papilio

#4 Beitrag von Monsti » 3. September 2015, 20:22

Lieber Hans,

sehr schönes Foto!

Wo man Hyalosphenia elegans oder H. insecta findet, ist meist auch H. papilio nicht weit. Im Gegensatz zur ersten Art findet man letztere meist in den obersten Torfmoosschichten, da sie für die symbiotischen Algen Licht benötigen. Lebende Exemplare finde ich deshalb oft im Zuge der Desmidiaceen-Suche, bei der man ebenfalls vor allem in den oberen Schichten fündig wird.

Herzliche Grüße
Angie
Der das Kleine in Ehren hält, ist des Großen umso würdiger. (Sprichwort)

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