animiert durch Fotos des Zooflagellaten Paraphysomonas von Ole Riemann (http://www.mikro-tuemplerforum.at/viewt ... f=41&t=622) habe ich mich auch nochmal mit dieser Art beschäftigt. Untersuchungsmaterial ist leicht zu beschaffen, da dieser Flagellat überaus häufig in alten Proben vorkommt, in denen sich eine Kahmhaut oder kleine Detritusflöckchen an der Gefäßwand gebildet haben.
Paraphysomonas vestita gehört zu den Chrysophyceen, welche Silicaschuppen tragen, ähnlich wie Mallomonas oder Synura. Jedoch trägt Paraphysomonas keine Chloroplasten und ist farblos. Er ernährt sich durch Phagocytose von Bakterien, Blaualgen und kleinen Algen. Hauptsächlich konnte ich Bakterien in den Nahrungsvakuolen finden. An frei schwimmenden Exemplaren, kann man die Hülle aus Silica-Schuppen gut erkennen. Sie haben die Form einer Reißzwecke mit einem 2 µm breiten Kopf und einem ca. 4-5 µm langen Dorn. Der Flagellat selber ist 20 - 25 µm lang. Auf dem rechten Bild kann man schwach die kreisförmigen "Köpfe" der Silica-Schuppen erkennen, welche dem Zellkörper überlappend aufliegen:


Presst man ein Exemplar uter dem Deckglas, kann man die zwei Geißen besser erkennen. Die Schleppgeißel ist kürzer und ca. 5 µm lang, während die Schubgeißel etwa 30 µm lang ist. Der Zellkern mit einem Durchmesser von 5 µm liegt immer am Vorderpol der Zelle, dort wo die Geißeln entspringen. Auf selber Höhe wie der Zellkern liegt auch die kontraktile Vakuole. Durch das Pressen des Zellkörper spreizen sich auch Silica-Schuppen, die dann nicht mehr überlappend vorliegen und teilweise sich auch vom Zellkörper lösen. Sie erscheinen dann T-förmig:

Man muss die Schichtdicke dann noch weiter reduzieren, bis der komplette Zellkörper zerlaufen ist, um die T-förmigen Schuppen besser und vereinzelt sehen zu können. Mehr Auflösung als auf dem rechten Bild zu sehen, ist wahrscheinlich mit einem Objektiv 100X/1.3 und einem Trockenkondensor 0.9 nicht rauszuholen:


Dennoch gelang mir noch folgende Aufnahme, welche eine Struktur zeigt, die mit dem Lichtmikroskop eigentlich nicht zu erkennen ist. Die Schubflagellen der Chrysophyceen tragen oft Mastigonemen. Dies sind fadenförmige Anhänge, welches der Geißel im Elektronenmikroskop oft das Aussehen einer Flaschenbürste geben. Auf dem Foto unten erkennt man an der Schubgeißel deutlich fadenförmige Anhänge. Eventuell haben sich die Mastigonemen dieses Exemplares durch das quetschen unter dem Deckglas verklebt und sind erst dadurch im Lichtmikroskop sichtbar geworden. Anders kann ich mir diese Struktur zumindest nicht erklären:

Ma = Mastigonemen?
ZK = Zellkern
Aber vielleicht gibt es aber auch eine andere Erklärung dafür. Jedenfalls wünsche ich viel Spass beim anschauen!
Martin